Titi-Springaffe
Die Auffassung der Erscheinungen der Welt als eindeutig zu Unterscheidende nennen wir die digitale, die Auf- fassung der Erscheinungen als gleitendes Kontinuum nennen wir eine analoge. Um die digitale Wahrnehmung so wiederzugeben, dass ein Anderer sie identifizieren kann, braucht man ein unmissverständliches Zeichen, ein digit, am besten ein - Wort. Eine analoge Wiedergabe bedarf eines kontinuierlichen Signalsystems.
Was war eher da - die digitale Wahrnehmungsweise des Menschen oder seine sprachliche Mitteilungsweise? Ich
wage mal eine Spekulation: Es war die Wiedergabe durch spezifische
Wortzeichen, die durch Äonen unser Be- wusstsein geprägt,
nämlich überhaupt erst möglich gemacht hat, und diese Bewusstseinsverfassung hat ihrer- seits seine Wahrnehmung geprägt.
Und siehe da: Eine 'vernünftige' Weltanschauung, und darunter verstehen wir seit gut 200 Jahren eine, die die Phänomene einander als Ursachen und Wirkungen zuordnet, ist nur bei einer digitalen Unterscheidung der Wahrnehmungen möglich: Eine Erscheinung muss als diese Eine spezifiziert
worden sein, um ihr 'diese eine' Ursache zuschreiben zu können. Wessen
Wahrnehmung aus ineinander übergehenden Bildern besteht, muss sich mit
erfahrungsmäßiger Wahrscheinlichkeit bescheiden.
Merke: Die Unterscheidung nach Ursache und Wirkung ist reflexiv, sie schaut sich um: 'Da' ist die Erscheinung, die Ursache muss als hinter ihr verborgen angenommen werden - als schon geschehene, und durch sie ist sie bestimmt. Der probabilistische Blick in die Welt sieht nach vorne, er erwartet etwas; doch das Etwas ist analog, nur ungefähr, noch unbestimmt.
Nachtrag.
Doch wer sich durch die digitale Verfassung seines Merksystems einmal auf die kausalistische Weltanschauung festgelegt hat, wird Schwierigkeiten bekommen, wenn er Phänomene verstehen soll, die nicht in dieses Schema passen. Da ist auf der einen Seite der kontinuierliche Verlauf systemischer Prozesse, und auf der entgegengesetzten Seite das Phänomen der Emergenz, das aus heiterm Himmel zu kommen scheint - und beide sind zwei Seiten einer Medaille.
Die Kantische Philosophie
ist nur durch Induktion, nicht aber durch Deduktion bewiesen. Sie sagt:
Wenn man diesen oder jene Gesetze annehme, wäre das Bewusstsein zu
erklären; sie gilt daher nur als Hypothese.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 5f.
Nota I. - Kants Induktion führt
ihn nur bis zu den Kategorien. Er hat sie im Material 'aufgefunden' und
stellt sie zu- sammen; nebeneinander. Aber schon, weshalb es genau diese
zwölf sein müssen, wird nicht demon- striert und nicht deduziert. Schon
gar nicht wird deduziert, woher sie stammen. Es sind vier mal drei, das
sieht gut aus, aber mehr Evidenz haben Kants Kategorien nicht für sich.
18. 6. 17
Nota II. - Aber weshalb hat er bei den Kategorien Halt gemacht?
Dass er sie auf induktivem Wege aufgeunden hatte, war genial genug. Natürlich kann er so nichts beweisen. Aber dass er nach seinem Verfahren auf mehr oder andere als diese zwölf hätte kommen können, ist ihm bislang auch nicht nachgewiesen worden. Soweit kann man die Sache auf sich beruhen lassen.
Aber um tiefer zu bohren und die Frage zu klären, wo die Kategorien - oder das Apriori, wie er es nennt - her- gekommen sind, hätte er wie irgendein Dogmatiker freihändig zu spekulieren beginnen müssen. Die einfachste spekulative Antwortung - Gottes Ratschluss - lag aber längst vor, er hätte sie durch eine bessere Variante ver- drängen müssen. Das hat er gar nicht erst versucht, und ob seine Aussage, er habe dem Glauben Platz schaffen wollen, ein wahres Bekenntnis oder eine Ausrede war, ist unter diesen Umständen gleichgültig. Es liefe auf das- selbe hinaus.
Das tiefer Bohren hätte auch nicht geschehen können durch Erweiterung - Vertiefung - des zu untersuchenden Materials; man wüsste ja nicht einmal, wo man anfangen soll. Es musste vielmehr das Verfahren vertieft, nämlich radikalisiert werden. Das hat Fichte unternommen, aber nicht, indem er analytisch Scheibchen für Scheibchen von den induktiv freigelegten Kategorien abzog, um an ihre Gründe vorzudringen; sondern indem er diesen Arbeitsgang im Gedankenexperiment übersprang.
Wie war Kant verfahren? Er hatte vom gegebenen Material der Vernunft - den Begriffen* - nach und nach die besonderen Bestimmungen abgezogen. Zuerst scheiden sich Noumena und Phainomena. Noumena sind reine Denkbestimmungen; bei den Phainomena kommt als Differentia specifica die Erfahrung hinzu. Von der werden wieder, Schritt für Schritt, die konkreten Bestimmungen abgezogen. Bleibt übrig ein 'apriorischer' Fundus, den er in vier mal drei Kategorien und zwei Anschauungsformen aufteilt. Kategorien und Anschauungsformen las- sen sich nicht selber analytisch zerlegen. Sie müssen en bloc abgezogen werden von der stets gegenwärtigen, ausgesprochen-unausgesprochenen Prämisse des Ich denke, das alle unsere Sätze muss begleiten können.
Ziehen wir vom Denken all die Bestimmungn ab, die es von anderen Tätigkeiten unterscheiden könnten, so bleibt übrig: reine Agilität ohne alle Bestimmung. Wollen wir von da aus den Weg zurück zum entwickelten Ver- nunftsystem beschreiten, von dem wir ja ausgegangen sind, so muss als erster Schritt ein sich-selbst-Bestimmen der reinen Agilität vorgestellt werden. Und siehe da: Die Agilität erweist sich ipso facto als nicht gar so rein, denn sie zeigt sich als bestimmen-könnend.
So muss verfahren, wer Kants induktives Verfahren radikalisiert.
*) Begriffe sind Vorstellungen, die so weit bestimmt sind, dass sie im Gedächtnis verzeichnet und durchs Symbol Anderen mitgeteilt werden können.
PS. Dass ich es nicht vergesse: Hier handelt es sich um den ersten, analytischen Gang der Wissenschaftslehre.
JE
Die Wissenschaftslehre ist also der Versuch eines vernünftigen Wesens, sich sein Bewusstsein zu erklären. Zu verstehen, was es ist, nämlich wie es verfährt. Nicht, wie es geworden ist: Enstanden ist es einmal, nun habe ich damit zu tun, wozu es geworden ist. Heute verfährt es so, als sei es immer so verfahren. Ich muss es auffassen als ein Ganzes: ein System.
Es mag wohl sein, dass unser Gehirn tatsächlich wie ein System funktioniert. Aber darum geht es bei der Ver- nunft nicht. Da geht es darum, sie aus sich selbst
zu erklären: aus ihren eigenen Voraussetzungen und ohne auch nur in
einem Moment einen äußeren Beitrag in Anspruch zu nehmen: Wer die
Vernunft nicht immanent er- klärt, erklärt sie gar nicht. Vernünftig ist
dabei nicht, dass kausal eines aus dem vorigen folgt, sondern dass sich
eine Richtung ergibt, weil sie einen Zweck anstrebt. Vernünftig ist
daran, dass sie jederzeit urteilt, welcher Zweck gelten soll.
Ihre Voraussetzung ist das Noumenon eines unbestimmt-bestimmbaren Wollens-überhaupt, am Zielpunkt muss folglich das Noumenon eines unbestimmt-bestimmbaren Zweckes-überhaupt stehen. Nur so ist Vernunft als System möglich.
Dass ein Bewusstsein sich als schlechterdings wollend auffasst; dass ein Bewusstsein sich als vernünftig begreift; dass ein Bewusstsein sich als schlechterdings zielgerichtet bestimmt: das alles bedeutet dasselbe. Ob aber diese Bedingungen gegeben sind, ist eine Frage an die historische Realität.
Dass sie jedoch sein soll, folgt aus ihr, sobald sie möglich geworden ist.
Eine Korrektur habe ich in den letzten Tagen allerdings vorgenommen:
Ganz ohne einen "äußeren Beitrag" kommt auch die Wissenschaftslehre bei ihrer Rekonstruktion der Genesis der Vernunft nicht aus. Die Auffor- derung durch eine Reihe vernünftiger Wesen ist keine immanente Hervorbringung des sich-selbst-bestimmen- den Ichs, sondern greift in jene von außen ein. Aber eben nicht transzendent, nicht als ein 'erstes Individuum' und 'höheres, unbegreifliches Wesen', wie Fichte selbst es tat (und nicht anders konnte). Vielmehr muss die Per- spektive umgekehrt werden: Die Vorstellung des einen sich selbst setzenden und fortbestimmenden Ichs muss in der Wirklichkeit aufgefasst werden als Abstraktion der sich zusammenfindenden und gemeinsam ausbildenden 'Reihe vernünftiger Wesen'.
In der historische Wirklichkeit entsteht Vernunft nicht als Begegnung von zu-Bewusstsein-gekommenen Ein- zelichen, sondern das Bewusstein der Einzelnen erwächst aus dem tatsächlichen Verkehr historischer Individu- en miteinander, der ihren realen - sei es vorstellenden, sei es sinnlichen - Tätigkeiten vorgegeben ist, und der durch ihre Wechselwirkung den Übergang zu idealer Tätigkeit - Reflexion - ermöglicht hat.
Sorum betrachtet handelt es sich dann doch um eine immanente Genesis.
Nota. Das
obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.
Es wird nicht behauptet, zuerst hätten die Menschen einen reinen Willen, danach würde er durch mannigfaltige dialektische Operationen zu einem empirischen.
Hier geht es immer um
die Erklärung des Bewusstseins aus der wirklichen Vorstellungstätigkeit.
Das Grund- schema ist immer dies: Ich finde mich als dieses oder jenes
tuend oder getan habend. Ich muss daraus schlie- ßen, dass ich es
gekonnt habe. Diese Anschauung wird mir zum Begriff eines Vermögens.
So muss der wirklich
Wollende seinem wirklichen Wollen die Fähigkeit zum Wollen voraussetzen:
Die konkrete Vorstellung ist nicht ohne die reflexive Hypostase der
abstrakten Vorstellung "möglich"; d. h. möglich ist sie schon, solange
ich nicht denke; wenn ich aber denke, muss ich so denken.
7. 6. 17
Ich werde nicht müde, es zu wiederholen: In der transzendentalen Auffassung, als Noumenon, ist das reine Wollen
als das höchste Bestimmbare aufgefasst, denn es ist von Allem das
allererste. Weil es aber reines Wollen ist, wird seine Bestimmbarkeit
und das Übergehen zur Bestimmtheit nie zu einem Schluss kommmen, das
Be- stimmen geht ins Unendliche fort. Den fiktiven Zielpunkt kann oder
muss ich sogar mir denken als das Eine Absolute, Zweckbegriff an-sich als Gegenstand des Wollens an-sich; Noumena alle beide.
In der transzendentalen Analyse ist das Wollen das letzte Aufgefundene,
in der synthetischen Rekonstruktion ist es das erste Vorauszusetzende.
In der Realität kommt das Denken - "Deliberieren" - vor dem Wollen,
em- pirisch ist das Wollen immer schon bestimmt als das Wollen von diesem
oder jenem, erst in der transzendenta- len Reflexion scheint auf, dass es
dem Denken noumenal immer schon zu Grunde lag.
3. 6. 17
Einen Schluss wird das Bestimmen des Wollens nicht finden. Aber einen Sprung muss es finden, um an der entscheidenden Stelle fortgehen zu können: Es muss real werden, real nicht nur im Sinne des realen Vorstellens - von nichts anderem war bislang ja die Rede; sondern real im Sinne einer Wirkung in der Sinnenwelt (und nicht anders kann es real werden auch für andere vernünftige Wesen). Der Sprung ist der Übergang von einem Zwecksetzen 'an sich' - das lediglich vorstellbar ist - zum Setzen eines bestimmten Zwecks, nämlich eines Zwek- kes, der realisierbar ist in Raum uund Zeit: Das ist es ja, was eingangs als Vernunft verstanden wurde und was die Wissenschaftslehre analysiert hat und rekonstruieren will.
In die Sinnenwelt war die reell vorstellende Tätigkeit in der bisherigen Rekonstruktion noch nie vorgestoßen. Wie käme sie jetzt dazu?
Aus ihr selber kann der Anstoß nicht kommen, denn noch weiß sie nichts von der sinlichen Welt. Es muss ein Antoß von außen kommen. Es muss eine Aufforderung an sie ergehen, von einem vernünftigen Wesen gewiss, aber von einem, das schon in der Sinnenwelt steht. Es ist die schon verwirklichte Reihe vernünftiger Wesen, die das bislang bloß-vorstellende Ich auffordert, es ihnen gleichzutun und in der Sinnenwelt reale Zwecke zu verfolgen.
JE
musculation
Es ist wie mit dem Paradox der Wahrheit. Wahr kann offenbar kein Ding
oder Sachverhalt sein, sondern lediglich das Verhältnis meiner
Vorstellung zu ihm. Die Frage, ob es Wahrheit der Vorstellung geben
könnte, setzt also voraus, dass ich mir von der Wahrheit der Vorstellung
eine Vorstellung bereits gemacht habe; ich kann also nicht mehr fragen, ob das möglich war. Ich kann immer nur fragen, ob diese Vorstellung wahr ist.
Mit andern Worten, positio und negatio sind nicht logisch gleichrangig - und daher ontologisch schon gar nicht.
(Ein Ding wird nicht
gesetzt. Es wird vorgefunden. Das Vorgefundene wird bestimmt. Bestimmen
heißt: Setzen seiner Bedeutung. Bedeutung ist kein Sachverhalt,
sondern ein idealer Akt. Ein idealer Akt muss als ein solcher gesetzt
worden sein, bevor er negiert werden kann. Es gibt den Modus ponens ohne
darauffolgenden Modus tollens; aber keinen Tollens ohne
vorangegangenen Ponens.)
15. 6. 17
Sein und Nichtsein sind kein ontologisches Paar. Sie kommen nicht zugleich 'zur Welt'. Zuerst wird Etwas gesetzt. Das Setzen ist Prius. Wird auf das Gesetzte reflektiert, 'ist' es etwas. Vorher kann es nicht aufgehoben, nicht ent-setzt werden.
Moulin, Objet trouvé à Pompéi
Wie ist das nun mit dem
Finden und der Absicht? Wenn ich nicht auf irgendwas absähe, würde ich
nie etwas finden: Fichte hat das ursprüngliche Wollen
des Menschen an den Anfang der Wissenschaftslehre gesetzt. Was immer
Eingang ins Bewusstsein findet - das Absehen ist die Bedingung.
So sagt der
Transzendentalphilosoph, doch sobald er das Katheder verlässt, ist er
Realist wie alle andern: Die Menschen wären nie aufs Absehen verfallen,
wenn sie nicht tatsächlich Etwas gefunden hätten; etwas, das ihnen
fremd, also unbestimmt war und zum Bestimmen herausforderte.
Es ist immer alles dasselbe, das wiederholt er oft genug; aber eben immer wieder von der nächsthöheren Stufe aus betrachtet.
14. 6. 17
Das realgeschichtliche Spezifikum: Der Mensch lebt nicht mit seiner Umwelt im Einklang. Er hat den Urwald verlassen, in dem er zuhause war, und ist in die ihm fremde Savanne ausgebrochen. Eine neue Wachheit gegen das unbekannte Feld, in dem er sich bewegt - nomadisch - ist das mental substanziell Neue, das ihn gegen die andern Tiere auszeichnet und von dem eine rationelle Anthtropologie auszugehen hat.
Nach der Wissenschaftslehre ist das erste, elementar Wirkliche für den Menschen das Gefühl. Im Fühlen ist er rein leidend. Indem er aber sein Gefühl anschaut und sogleich in seiner Bedeutung für ihn bestimmt, wird das Lei- den in Tätigkeit aufgenommen - und so fängt alles an.
Fängt die Ausbildung der Vernunft an, nämlich unter den Menschen. Unter den Tieren nicht. Warum? Sie haben kein Bedürfnis, das Leiden in eigene Tätigigkeit aufzunehmen.
Ist das eine Erklärung?
Nein, es ist eigentlich das, was der Anthropologe zu erklären hätte; siehe oben.
Die Wissenschaftslehre setzt es dagegen voraus: indem sie das Gefühl, durch das die Dinge sich dem Menschen kundtun, auffasst als den Widerstand, den sie seinem primären Tätigsein entgegensetzen.
Dies ist wahr: Wann immer wir wirklich etwas tun, stoßen wir auf die Dinge der Sinnenwelt und erleiden ein Ge- fühl. Doch nicht immer, wenn wir etwas fühlen, haben wir - willentlich, versteht sich - etwas getan, das ist gar nicht wahr. Lassen wir diese Feinheit als vernachlässigbar beiseite?
Für den Mediziner wäre das ohne Sinn, aber die Transzendentalphilosophie entwirft nicht das Bild des Ganzen Menschen, sondern will die Vernunft aus ihrem Entwicklungsgang verstehen. Sie beachtet nicht Alles, sondern all das, was in ihre Entwicklung eingeht. Das sind nicht die Halsschmerzen beim Schnupfen, sondern die Erfahrun- gen, die ich - mache. Es wird nicht gesagt: Alle Gefühle werden angeschaut und bestimmt, weil sie ursprünglich von der Tätigkeit des Subjekts verursacht wurden, und werden zu Erfahrungen fortbestimmt; sondern: Zu Erfah- rungen werden solche Gefühle, die das Subjekt anschaut und bestimmt, weil sie ihm als Resultat seiner eigenen ursprünglichen Tätigkeit widerfahren, und aus den Erfahrungen wird die Vernunft.
Das bestimmen- und Erfahrungen-machen-Wollen ist vorausgesetzt. Der Transzendentalphilosophie reicht aus, dass sie es offenkundig voraussetzen darf. Woher es kommt und warum sie es darf, muss und kann sie nicht sel- ber klären. Das ist Sache der historischen Realwissenschaften.
JE
Das Unbestimmte wird bestimmt als ein Unbestimmtes, was nichts anderes bedeutet denn: als ein zu-Bestim- mendes.
- Das Bestimmbare ist kein Bedeutungsloses. Denn es ist nicht zuerst
unbestimmt, das Ich entschließt dann sich zum Bestimmen, und dadurch wird es zu einem ein Bestimmbaren; sondern indem das Ich schon zu handeln (=anzuschauen) beginnt, wird [etwas] überhaupt erst für das Ich - und eo ipso ein Bestimmbares. Vorher war es für das Ich nicht da. (Ob für einen andern, könnte nur er uns sagen.)
Transzendentalphilosophie ist keine Entwicklungspsychologie.
In der Realgeschichte eines Individuums kommt das nicht vor: Zuerst
denkt das Individuum 'überhaupt', und danach verdichtet es sein Denken
zu 'diesem'. Die Wissenschaftslehre ist keine historische Nacherzählung,
sondern ein genetisches Modell, in dem es kein vor- und nacheinander gibt, sondern lediglich wechselseitige Bedingungen.
8. 6. 17
Was gar nicht bemerkt wurde, ist so gut wie gar nicht da. Es ist daher nicht dieses noch jenes, noch auch nur unbestimmt. Soll ein Ich überhaupt gedacht werden, muss es als ein bestimmen-Wollendes gedacht werden. Was immer es bemerkt, kommt ihm als ein zu-Bestimmendes vor - und daher als ein bestimmbares Unbestimmtes.
Die Betrachtung ist keine logische, denn die müsste von Begriffen ausgehen, die als solche jedoch schon... be- stimmt sind. Dargestellt werden soll jedoch das Bestimmen selbst, die bestimmende Tätigkeit. Die Bedeutungen, deren Auseinander-Hervorgehen sichtbar werden soll, können nicht voraus gesetzt, sondern müssen in actu ge- setzt, nämlich aus eigner Kraft vorgestellt werden.
Wobei natürlich aus nichts nichts werden kann. Was immer gesetzt wird, muss einen Vorläufer vor-gesetzt be- kommen; und wenn es am Ende, d. h. vor allem Anfang ein bloß-gedachtes Vermögen ist; eine prädikative Qua- lität, die gewissermaßen nur darauf wartet, dass einer kommt und sie sich zuschreibt.
Nota. Das
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