Montag, 30. November 2015

Vorstellungen und Begriffe.


ikariam

Eine Vorstellung muss erst gewöhnlich werden, ehe sie sich als Begriff definieren lässt. 

Mit andern Worten, sie muss zuvor schon in anderer Gestalt, als Bild, Erzählung, Witz die Runde gemacht haben, bis genügend Merkmale an ihr ausgemacht werden konnten, um sie in der Gesellschaft der andern Be-griffe unverwechselbar einzugrenzen.

Ihr Erfinder mag sie von Anfang an 'als Begriff aufgestellt' haben; aber ein Begriff wurde sie doch erst, als die Andern sie im Geflecht der Begrifflichkeit untergebracht hatten.




Sonntag, 29. November 2015

Ergründen.



Ich bin für mich der Grund alles Denkens, der absolute Grund, dessen ich mir nur durch Handlungen bewusst werde – Grund aller Gründe für mich, Prinzip meiner Philosophie ist mein Ich. Dieses Ich kann ich nur negati-verweise zum Grund alles meines Philosophierens machen, indem ich so viel zu erkennen, zu handeln und dies so genau zu verknüpfen suche, als möglich; letzteres durch Reflexion. Je unmittelbarer, direkter ich etwas vom Ich ableiten kann, je erkannter, begründeter ist es mir.

Ergründen ist Philosophieren.
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Novalis, Fichte-Studien, in: Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 174


Nota. – Doch ist das Begründen der Philosophie ein problematisches: Wenn mein Denken – Wissen, Vorstellen, Erkennen... – einen Grund haben soll, so kann das nur dieser sein. Allein schon, wer die Frage zulässt, ob ..., bringt Grund und Begründetes zu Fall. Denn diskursives, d. h. verständiges Reden ist dann nicht mehr möglich.
JE


Samstag, 28. November 2015

Philosophische Neuerer.


Duchamp, Fontaine

200. Original. — Nicht dass man etwas Neues zuerst sieht, sondern dass man das Alte, Altbekannte, von Jeder-mann Gesehene und Uebersehene  wie neu sieht, zeichnet die eigentlich originalen Köpfe aus. Der erste Entdecker ist gemeinhin jener ganz gewöhnliche und geistlose Phantast — der Zufall.
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Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Band II, 2. Ausgabe. 




Freitag, 27. November 2015

Hypothese und Fiktion.


Was ist denn nun das Absolute? – Es ist mein Maß, mehr ist darüber nicht zu sagen; denn wäre es durch Merkmale zu beschreiben, wäre es nicht absolut, sondern bedingt.

Schon 'mein' Maß ist zuviel gesagt, ich müsste mein in Klammern setzen: Es ist (mein) Maß. Da ist ein Un-gleichgewicht, das Gemessene kann hier nicht sein ohne das Maß, wohl aber das Maß ohne zu Messendes. Ich bin ich nur, sofern ich vernünftig bin. Wir gehören enger zusammen als Schuh und Absatz.

Der persische Sufi Mansur al-Halladsch wurde 922 in Bagdad wegen seiner Ketzereien gekreuzigt; darunter die berühmteste, der Satz: Anâ l-haqq, 'Ich bin Wahrheit.' Das war anmaßend, doch skandalös wurde es, weil al-haqq einer der Namen – der einundfünfzigste – Gottes ist; seinen wahren Namen, den sozusagen absoluten, dürfen Muslime wie Juden nicht aussprechen.

Sagbar ist so etwas nur im Moment mystischer Entrückung; die aber steht unter Meister Eckharts Anweisung: Halt nach dir selber Ausschau, und wo du dich findest, da lass von dir ab.

Mit theoretischer Philosophie hat das nichts zu tun. Die muss beim Absoluten Halt machen. Bis hinein kommt sie ebensowenig wie die Kosmologie in den Urknall. Doch während jener eine Hypothese ist und noch nicht alle Hoffnung vergebens, ist dieses eine Fiktion.






Donnerstag, 26. November 2015

Ich und das Absolute.



Den gestrigen Eintrag würde ich so umformulieren wollen:

Vernünftig ist ein freier Wille, der als Maß für sich nichts Geringeres gelten lässt als das Absolute.

Das Absolute ist das Maß der Vernünftigkeit. Vernünftigkeit ist eine Sache der Selbstachtung.

Dagegen sind zwei Einwände möglich: 1) Ein Absolutes gibt es nicht. 2) Der Wille ist nicht frei. Praktisch bedeuten sie beide dasselbe: Es gibt keine Vernunft.






Mittwoch, 25. November 2015

Der Wille zur Wahrheit und mein Stolz.

Cecil

Denn im Reiche des Denkens sind Macht und Ruf schlecht zu behaupten, die sich auf dem Irrthum oder der Lüge aufbauen: das Gefühl, dass ein solcher Bau irgend einmal zusammenbrechen könne, ist demüthigend für das Selbstbewusstsein seines Baumeisters; er schämt sich der Zerbrechlichkeit seines Materials und möchte, weil er sich selber wichtiger als die übrige Welt nimmt, Nichts thun, was nicht dauernder als die übrige Welt wäre. 

Im Verlangen nach der Wahrheit umarmt er den Glauben an die persönliche Unsterblichkeit, das heisst: den hochmüthigsten und trotzigsten Gedanken, den es giebt, verschwistert, wie er ist, mit dem Hintergedanken "pereat mundus, dum ego salvus sim!" Sein Werk ist ihm zu seinem ego geworden, er schafft sich selber in’s Unvergängliche, Allem Trotzbietende um. Sein unermesslicher Stolz ist es, der nur die besten, härtesten Steine zum Werke verwenden will, Wahrheiten also oder Das, was er dafür hält. Mit Recht hat man zu allen Zeiten "das Laster des Wissenden" den Hochmuth genannt, — doch würde es ohne dieses triebkräftige Laster erbärmlich um die Wahrheit und deren Geltung auf Erden bestellt sein. 

Darin dass wir uns vor unsern eigenen Gedanken, Begriffen, Worten fürchten, dass wir aber auch in ihnen uns selber ehren, ihnen unwillkürlich die Kraft zuschreiben, uns belohnen, verachten, loben und tadeln zu können, darin dass wir also mit ihnen wie mit freien geistigen Personen, mit unabhängigen Mächten verkehren, als Gleiche mit Gleichen — darin hat das seltsame Phänomen seine Wurzel, welches ich "intellectuales Gewissen" genannt habe. — So ist auch hier etwas Moralisches höchster Gattung aus einer Schwarzwurzel herausgeblüht. 
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Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Band II, 2. Ausgabe; 

aus N° 26




Montag, 23. November 2015

Sonntag, 22. November 2015

Konsens und öffentliches Wissen.


nationalgeographic

Wissenschaft ist öffentliches Wissen, habe ich gesagt. Wissenschaftlich ist ein auf seine Gründe geprüftes Wissen. Das Medium der Prüfung ist Kritik. Öffentlichkeit ist eo ipso Kritik; eine ununterbrochene, immer wieder neu beginnende Überprüfung von Gründen.

Das ist keine Konsensfindung, sondern geradezu das Gegenteil. Der Konsens ist eine zufällige Anhäufung. Zufällig ist die Anzahl der Übereinstimmenden, zufällig ihre Zusammensetzung, zufällig sind die Meinungen, die sie mitbringen, zufällig sind die Meinungen, auf die sie sich verständigen. Da Verständigung gesucht wurde, blieb Kritisches unbenannt. Was richtig und was falsch ist, ist eine Sache bloßer Meinung, eine prüfende In-stanz gibt es nicht. 
Konsens ist angehäufte Privatmeinung. Sie können sich über lauter Falsches einig sein. Wenn sich eine Prüfung an der Realität ergibt, stieben sie auseinander.

Wissenschaftliche Öffentlichkeit verfährt nach dem Prinzip der biologischen Auslese. Erhalten bleibt nur, was sich bewährt, was sich nicht bewährt, wird ausgemustert. Allerdings nur, was sich nicht bewährt: was der Kritik nicht standhält. Nicht das, was nur momentan nicht verwendbar ist: In der Natur wird auch das ausgeschieden, obwohl es unter neuen Bedingungen – veränderten Auslesekriterien – vielleicht ;noch brauchbar werden konnte. In der Schriftkultur der Wissenschaft fällt das schlimmstenfalls in Vergessenheit; kann und wird wiedergefun-den werden, weil die Wissenschaftler konkurrieren und auch das Fernstliegende für die Karriere verwertet wird. Und selbst was einmal als endgültig widerlegt erschien, kann wieder zum Vorschein kommen - gerade weil seine Überwindung einmal als ein großer Sieg der Wissenschaft ins Kollektivgedächtnis eingegangen ist. Zum Beispiel die Wiederauferstehung von Lamarck im Zeichen der Epigenetik.


Konsensbildung ist eine zufällige Kumulation auf Widerruf, Öffentlichkeit ist systematische Reduktion und Revision auf Dauer. 


Samstag, 21. November 2015

Freitag, 20. November 2015

Albernheiten.



Mische ein bisschen Torheit in dein ernsthaftes Tun und Trachten! Albernheiten im rechten Moment sind etwas Köstliches.
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Horaz



Lieber Leser, nehmen Sie das als Erläuterung zu diesem oder jenem Bild, das Sie in meinen Blogs irritiert haben mag. Manchmal musste ich mich gar zurückhalten. JE





Donnerstag, 19. November 2015

Tous les genres sont bons, sauf l'ennuyeux.


F. X. Messerschmidt, Gähnen

25. Muth zur Langweiligkeit. — Wer den Muth nicht hat, sich und sein Werk langweilig finden zu lassen, ist gewiss kein Geist ersten Ranges, sei es in Künsten oder Wissenschaften. — Ein Spötter, der ausnahmweise auch ein Denker wäre, könnte, bei einem Blick auf Welt und Geschichte, hinzufügen: "Gott hat diesen Muth nicht; er hat die Dinge insgesammt zu interessant machen wollen und gemacht." 
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Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Band II, 2. Ausgabe


Nota. - Voltaire war ein geistreicher Franzose, Nietzsche ein tiefsinniger Deutscher; soviel über National-charakter.
JE 







Mittwoch, 18. November 2015

Lieber unbestimmt und dämmrig.



7. Licht-Feindschaft. — Macht man Jemandem klar, dass er, streng verstanden, nie von Wahrheit, sondern immer nur von Wahrscheinlichkeit und deren Graden reden könne, so entdeckt man gewöhnlich an der unverhohle- nen Freude des also Belehrten, wie viel lieber den Menschen die Unsicherheit des geistigen Horizontes ist und wie sie die Wahrheit im Grunde ihrer Seele wegen ihrer Bestimmtheit hassen. — 

Liegt es daran, dass sie Alle insgeheim selber Furcht davor haben, dass man einmal das Licht der Wahrheit zu hell auf sie fallen lasse? Sie wollen etwas bedeuten, folglich darf man nicht genau wissen, was sie sind? Oder ist es nur die Scheu vor dem allzuhellen Licht, an welches ihre dämmernden, leichtzublendenden Fledermaus-Seelen nicht gewöhnt sind, so dass sie es hassen müssen?
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Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches,  Band II, 2. Ausgabe 









Dienstag, 17. November 2015

Der Größte Wissenschaftsbluff Aller Zeiten.


Freud*

Auf den ersten Blick ist die Psychoanalyse eine Offenbarungsreligion.

Auf den zweiten Blick ist sie das Wahnsystem eines Paranoikers.

Auf den dritten Blick ist sie eine geniale Geschäftsidee.

Ab da darf jeder blicken, wie er mag.






*) Sehn Sie auf dieses Bild: Das ist kein Schnappschuss, das ist eine Studioaufnahme. Was mag einer gedacht haben, als er so posierte? Was mag er gedacht haben, als der dieses Bild als Firmenlogo in die Welt schickte?

Montag, 16. November 2015

Am Anfang der Philosophie wie am Ende.


marions-kochbuch

Das Staunen steht am Anfang der Philosophie, heißt es seit Plato.

Am Ende bleibt das Wundern, fügte einer hinzu, der mit ihr alt geworden war.

Zum Schluss kommt wieder das Staunen, erwiderte einer, der beim Philosophieren jung geblieben ist.






Sonntag, 15. November 2015

Philologen und Systematiker, II.


encycopediavirginia

Wahr ist aber auch, dass sich im universitären Alltag philologischer Fleiß oft wie ein Nebel über das philosophi-sche Staunen legt und der Stachel, Probleme nicht nur explizieren, sondern womöglich auch lösen zu wollen, gar nicht mehr sticht. Die Wunder, die sich oft im Allerkleinsten verbergen, sind aber auf die Dauer kein Ersatz für den Schwindel, den der Blick ins Weite erregt. Philologie mag der Brennstoff der Philosophie sein, aber ihr Motor ist er nicht.

Doch das ist eine Innere Angelegenheit der pp. kontinentalen Philosophie. Das ist nicht neu, das wusste ich längst:


Philologen und Systematiker.


Dass die Philologen das philosophische Feld beherrschen, ist für einen wie mich ärgerlich; aber es ist unvermeidlich. Anders als zu Zeiten von Kant und Fichte ist Wissenschaft heute ein Betrieb. Das ist die Folge des Übergreifens wissenschaftlicher Erkenntnisresultate auf das ganze Leben in der indu-striellen Gesellschaft, und als solche war es nicht nur unvermeidlich, sondern auch begrüßenswert.

Nur in ihrer philologischen Bearbeitungsweise kann die Philosophie eine Erkenntnis- und Arbeits-gemeinschaft sein. Sie können sich untereinander nur über das austauschen, was allen geläufig ist. Nur so gibt es prozessierenden Zusammenhang. Wenn aber alle Philosophen Systematiker wären, müsste jeder – anders geht’s ja nicht – annehmen, dass er erkannt hat, was keiner vor ihm und keiner neben ihm eingesehen hat. Darauf müsste er bauen. Das Verständigen mit Andern wäre ihm allenfalls ein persönliches – charakterliches, temperamentliches  – Bedürfnis, aber ein sachliches Erfordernis wäre es nicht.

Damit ließe sich ein in Raum und Zeit kontinuierlicher Betrieb nicht unterhalten. In dem Maß, wie die Universitäten nicht als isolierte Herde, sondern als akademisches Netz zur Stätte des Philosophierens wurden, konnte nur das Philologische ihren Zusammenhalt gewährleisten. Systematiker waren immer Eigenbrötler, je mehr einer beim Philosophieren systematisiert, weil er wissen will, was wahr ist, umso mehr isoliert er sich von allen andern. Dass ihm einer dreinredet, stört ihn und lenkt ihn ab. Er braucht die andern als Spiegel und Resonanzkisten; weniger als Stichwortgeber und Besserwisser.

Will er die Folge nicht in Kauf nehmen, darf er die Ursache nicht wählen. Und muss schlimmsten-falls seine Wahl rückgängig machen: Noch jeder der Sache verschworene Philosophiestudent dürfte als anmaßlicher Systematiker begonnen haben. Aber mit erfolgreichem Eintritt in den akademischen Betrieb – und anders lässt sich Philosophie nicht zum Beruf machen – bleiben es die wenigsten. Dass sie ihre anfängliche Wahl im Lauf der Zeit tagtäglich ein bisschen revidiert und sich zu Philologen beschieden haben, merken die wenigsten; mit dem Ergebnis, dass hartnäckige Systematiker zu Außenseitern und Störern der Philosophie werden.

28. Mai 2015



Samstag, 14. November 2015

Bedeutungsquäntchenphysiker und Quartalshistoriker.



Da ist zunächst die Behauptung, die sprachanalytische Art des Philosophieren sei "systematisch". Wie es gerade zu diesem contre-sens kommen konnte, ist schleierhaft. Molekulare Analytik, hat Rolf Peter Horstmann geschrie-ben: Sie feilen und putzen an den Wörtern, um deren atomaren Bedeutungskern freizulegen, der dann doch wieder nur in... ihrer Verwendung bestehen soll. Dass ein systematischer Gedanke dahintersteht, kann man allenfalls vermuten: nämlich die Vorstellung, Wahrheit bestünde aus der endlosen Kette aneinander 'angeschlos-sener' Sinnpartikel, jedes so irreduzibel wie ein Quark oder Neutrino; Bedeutungsquäntchenphysik. 

Verständlicher erscheint allerdings das Epiteton, mit dem sie die Gegenpartei schmähen: "Historiker". Das soll nämlich heißen, die Vertreter der 'kontinentalen' Philosophie schauten nur rückwärts, kauten gedroschenes Stroh und spalteten verstaubte Wörter; bei ihnen dagegen sei alles frisch und jung, bei ihnen darf jeder seinen ganz eigenen, ganz neuen Blick auf die Themen der Welt werfen, ohne sie vorher in die Wurstpellen der Tradition pressen zu müssen. 

Das ist zwar hochmütig, doch kann man immerhin einen Sinn darin erkennen. Es ist aber ein falscher. Manfred Frank macht darauf aufmerksam, dass sie im Grundsatz nicht minder historisch verfahren als die 'Kontinenta-len': denn gottlob redet auch bei ihnen nicht jeder nur mit sich selbst, sondern knüpft an die Argumente seines Vorredners an, dreht und wendet und seziert sie und hält sich was darauf zu gute, wenn er daran "anschließen" kann. Auch sie meinen nicht wirklich, dass ein Jeder mit dem Philosophieren immer wieder von vorn anfängt, auch sie nehmen zur Kenntnis, dass vor ihnen auch schon gedacht worden ist; es findet im Diskurs eine An-schatzung statt, Neues kommt hinzu, Überholtes wird ausgemustert; mitunter voreilig, dann muss man es zu-rückholen. 

So machen auch sie es, anders gehts ja nicht. Der Unterschied ist nur, dass die einen bis Heraklit und Parme-nides zurückblicken und die andern nur aufs letzte Quartal. Das ist vergleichsweise wenig.



Donnerstag, 12. November 2015

Das Schisma zwischen Kontinentalen und Worterklärern.



In der von Manfred Frank und Tobias Rosefeld in der FAZ begonnenen Kontroverse hat vorgestern am selben Ort der Berliner Philosoph Rolf-Peter Horstmann das Wort ergriffen. Hier aus seinem insgesamt lesens-werten ausführlichen Text nur ein kurzer Ausschnitt:

"... Was dagegen die sich als systematisch verstehenden philosophischen Forscher betrifft, so werden auch sie in ihrer übergroßen Mehrzahl keineswegs Rosefeldts Beschreibung entsprechen. Dies deshalb, weil die meisten zwar irgendwelche Fragen beantworten, zugleich aber vollständig unklar ist, was an diesen Fragen philosophisch sein soll. Natürlich steht es einem frei, jede Frage, die in irgendeinem Sinn kontrovers beantwortet werden kann, eine philosophische zu nennen. Die seltsame Vermehrung der Subdisziplinen der Philosophie (Umweltphilosophie, Wirtschaftsphilosophie, Sportphilosophie, Internetphilosophie, Neurophilosophie und vieles andere mehr) könnte als Indikator dafür genommen werden, dass diese Freiheit bedenkenlos genutzt wird.

Molekularsprache der Analytik


Doch die Kehrseite dieser Freiheit ist der Schrecken, eigentlich gar nichts mehr mit der Rede von philosophischen Fragen meinen zu können. Rosefeldts hehrer Traum vom systematischen Selbstdenker wird daher entweder von allen verwirklicht, die irgendeine Meinung zu irgendeinem Thema irgendwie verteidigen, oder er kann nur durch diejenigen realisiert werden, die ein als philosophisch anerkanntes Problem traktieren. Die von ihm als Beispiele philosophischer Probleme genannten Fragen ("was die grundlegende Struktur der Wirklichkeit ausmacht, wie sich das menschliche Bewusstsein zur Natur verhält und ob es unbedingte und allgemeingültige Normen gibt") lassen ahnen, dass seine Gruppe der Systematiker ziemlich klein ausfallen wird. Ihre Auswahl scheint außerdem nahezulegen, dass Rosefeldt durchaus einen Sinn für die Autorität der Tradition hat. Schließlich handelt es sich bei seinen paradigmatischen Fragen um solche, die tief verwurzelt sind in der Geschichte der Philosophie.

Doch Rosefeldt will uns vor allem verständlich machen, warum der von ihm zu systematischer Philosophie ernannte Umgang mit diesen Fragen geradewegs auf die Unvermeidlichkeit der analytischen Philosophie führen soll. Dieses Ziel glaubt er durch folgende Überlegung zu erreichen: "Die Wende zur analytischen Philosophie in Deutschland muss deswegen vor allem als Durchsetzung der Einsicht verstanden werden, dass es sich lohnt, sie zu vollziehen. Denn hat man einmal verstanden, was es heißt, selbst zu philosophieren, dann ist klar, dass man das nicht einfach mit den Worten und Methoden von Kant und Hegel tun kann. (...) Man braucht eine eigene Sprache, eine, deren Bedeutung so klar ist, dass sie nicht erst der Interpretation bedarf. Dazu macht die analytische Philosophie das heute in den Augen der meisten systematischen Philosophen überzeugendste Angebot, das zudem für viele Bereiche der Philosophie de facto alternativlos ist." Aha, so ist das also: Die kristallklare Sprache der analytischen Philosophen hat das altdeutsche Kauderwelsch eines Kant und Hegel abgelöst, weil der seine Fragen selbst beantwortende Systematiker sich im reinen Äther interpretationsimmuner Bedeutungen aufhalten muss, will er seinem Handwerk "auf die beste mögliche Weise" nachgehen.

Wer auch immer Rosefeldt diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, es muss jemand gewesen sein, der in den letzten zwanzig Jahren keinen einzigen Blick in die in unserem Sprachraum für "analytisch" geltenden Publikationen geworfen hat. Nicht nur begegnet man zu fast allen Themen einen hochspezialisierten Jargon, dessen Esoterik mühelos mit dem Fachvokabular eines Journal of Molecular Endocrinology oder einer anderen medizinischen Subdisziplin mithalten kann, man wird sich auch ganze Jahrgänge von einschlägigen Zeitschriften hindurch selten mehr, häufig weniger gut unterhalten finden durch nicht enden wollende Diskussionen, was denn nun eigentlich zum Beispiel mit Begriffen wie "access consciousness" oder "volition" genau gemeint sein soll. Dass die analytische Philosophie eine Sprache implementiert, deren Klarheit Mehrdeutigkeiten ausschließt und daher nicht der Interpretation bedarf, wird man getrost zu einem der vielen Mythen des philosophischen Alltags zählen können. ..."


Insgesamt kommt Horstmann zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um ein wirkliches "Schisma in der Philosophie" handle, sondern bloß um Übertreibungen (für die er freilich hauptsächlich die Rosefeldt'sche Seite verantwortlich macht). Im Grunde sei alles in bester Ordnung; man muss wohl nur, mag ein spitzzüngiger Leser hinzufügen, die Verwendung der Wörter etwas genauer festlegen.

*

Ich finde mich in dieser Sache doppelt angesprochen. Zum einen bin ich ein 'Kontinentaler', wie man es nur wünschen kann, ich mache nicht einmal ein Hehl daraus, dass ich vor allen Dingen einem Vor-Denker ver-pflichtet bin, nämlich Fichte. Zum andern finde ich mich als einen Systematiker wieder, nämlich in einem Wort-sinn, den man auch verstehen kann. Es ist mir das peinliche Glück widerfahren, meine Gedanken zu einem System bilden zu können und, wie mir daher scheint, auch zu sollen; zu einem System mit einem begründeten Ausgangspunkt und einem Fluchtpunkt, der sich rechtfertigen lässt.

Ich wüsste nicht, wer aus der sprachanalytischen Schule in diesem mir allein intelligiblen Sinn systematisch däch-te. Soviel ich weiß – aber dass mein Wissen in dieser Sache unsystematisch und daher ergänzungsfähig ist, räu-me ich freimütig ein – handelt es sich bei deren Bemühungen um mikrologische Wortklaubereien, aus denen nicht einmal ersichtlich wird, wozu sie taugen sollen; geschweige denn, ob sie's tun. Systematisch ist gar nichts daran, das liegt alles kunterbunt nebeneinander wie eine Handvoll Murmeln.

*

Notabene. Ich halte keine akademische Stellung, ich muss gegen niemanden kollegial bleiben. Ich kann mir eine Wortwahl erlauben, von der andere nur träumen dürfen. Das hat seinen Preis, ich muss mich mit diesem Blog begnügen. 






Gefährlich leben.



283. Vorbereitende Menschen.— Ich begrüsse alle Anzeichen dafür, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird! Denn es soll einem noch höheren Zeitalter den Weg bahnen und die Kraft einsammeln, welche jenes einmal nöthig haben wird,—jenes Zeitalter, das den Heroismus in die Erkenntniss trägt und Kriege führt um der Gedanken und ihrer Folgen willen. 

Dazu bedarf es für jetzt vieler vorbereitender tapferer Menschen, welche doch nicht aus dem Nichts entspringen können—und ebensowenig aus dem Sand und Schleim der jetzigen Civilisation und Grossstadt-Bildung: Menschen, welche es verstehen, schweigend, einsam, entschlossen, in unsichtbarer Thätigkeit zufrieden und beständig zu sein: Menschen, die mit innerlichem Hange an allen Dingen nach dem suchen, was an ihnen zu überwinden ist: Menschen, denen Heiterkeit, Geduld, Schlichtheit und Verachtung der grossen Eitelkeiten ebenso zu eigen ist, als Grossmuth im Siege und Nachsicht gegen die kleinen Eitelkeiten aller Besiegten: Menschen mit einem scharfen und freien Urtheile über alle Sieger und über den Antheil des Zufalls an jedem Siege und Ruhme: Menschen mit eigenen Festen, eigenen Werktagen, eigenen Trauerzeiten, gewohnt und sicher im Befehlen und gleich bereit, wo es gilt, zu gehorchen, im Einen wie im Anderen gleich stolz, gleich ihrer eigenen Sache dienend: gefährdetere Menschen, fruchtbarere Menschen, glücklichere Menschen! 

Denn, glaubt es mir!—das Geheimniss, um die grösste Fruchtbarkeit und den grössten Genuss vom Dasein einzuernten, heisst: gefährlich leben! Baut eure Städte an den Vesuv! Schickt eure Schiffe in unerforschte Meere! Lebt im Kriege mit Euresgleichen und mit euch selber! Seid Räuber und Eroberer, so lange ihr nicht Herrscher und Besitzer sein könnt, ihr Erkennenden! Die Zeit geht bald vorbei, wo es euch genug sein durfte, gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben! Endlich wird die Erkenntniss die Hand nach dem ausstrecken, was ihr gebührt:—sie wird herrschen und besitzen wollen, und ihr mit ihr!
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Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft



Mittwoch, 11. November 2015

Der Unabhängige.


Ich kenne einen, der sich durch den kleinen Windhauch seiner "Freiheit" so verwöhnt hat, daß die Vorstellung zu einer Partei zu gehören, ihm Angstschweiß macht – selbst wenn es seine eigne Partei wäre!
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Fr. Nietzsche, Fragmente I[32]




 

Montag, 9. November 2015

Semiologische Manie.



Bedeutend ist alles, was mich veranlassen kann, mein Verhalten zu ändern. Ästhetisch ist alles, was mir, ohne dass ich ein Interesse daran hätte, gefällt (oder missfällt). Alles, woran ich Interesse habe, veranlasst mich, mein Verhalten so oder anders einzurichten: Das macht eben mein Interesse aus. Ästhetisch wären Erscheinungen, die mir nichts bedeuten (und doch meinen Beifall oder mein Missfallen finden). 

Der Semiologe will sagen: Erscheinungen, die nichts bedeuten, gibt es gar nicht. Das heißt aber nur: Man kann alles, was erscheint, als ein Zeichen lesen - etwas, das für ein Anderes steht; und das ein Anderer gesetzt hat mit AbsichtDie Absichten der Andern sind allerdings etwas, das geeignet ist, mein Verhalten zu verändern. In überkomplexen postindustriellen Zivilisationen kommt mir nur wenig vor, das nicht irgendwer mit Absicht so und nicht anders gemacht hat. Vielleicht nicht Wind und Wetter, aber die sind mir von sich aus bedeutend und verändern meine Absichten.

Will sagen, in weniger komplexen Gesellschaftszuständen begegneten den Menschen viel mehr Dinge ohne Absicht als heute; sie hätten sie um ihrer selbst willen betrachten (und ihrem Beifall und Missfallen aussetzen) können. Haben sie es getan, haben sie es gewollt? Wer genügend Muße hatte, vielleicht. Aber je komplexer die gesellschaftliche Arbeitsteilung wurde, auf umso mehr fremde Absichten mussten sie sich einstellen, sich daran gewöhnen, Zeichen zu deuten und rechtzeitig ihr Verhalten darauf einzustellen. Das Interpretieren von Zei-chen wurde zur unumgänglichen Gewohnheit, eine tiefenpsychologische Schule hat darin einen sprudelnden Einkommensquell aufgetan. Ohne deren Verheerungen im öffentlichen Bewusstsein wäre Roland Barthes nicht auf seine Manie verfallen. Sie gehörte zu den drei, vier großen Mythen des 20. Jahrhunderts. 

Man muss nämlich nicht alles als Zeichen deuten. Man kann es bleiben lassen. Richtig ist allerdings, mit zuneh-mender Komplexität der Lebenswelt braucht es immer größere Entschlossenheit, sich die semiotischen Anmutungen vom Leib zu halten und die Dinge ohne Interesse anzuschauen. Der ästhetische Zustand kommt immer seltener von allein. Aber umso begehrter wird er vielen.

aus einem Kommentar


Sonntag, 8. November 2015

...wird Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft enthalten, als Mathematik in ihr angewandt werden kann.


abananaaday

Ich behaupte aber, daß in jeder besonderen Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen werden könne, als darin Mathematik anzutreffen ist. Denn nach dem Vorhergehenden erfodert eigentliche Wissenschaft, vornehmlich der Natur, einen reinen Teil, der dem empirischen zum Grunde liegt, und der auf Erkenntnis der Naturdinge a priori beruht. 

Nun heißt etwas a priori erkennen es aus seiner bloßen Möglichkeit erkennen. Die Möglichkeit bestimmter Naturdinge kann aber nicht aus ihren bloßen Begriffen erkannt werden; denn aus diesen kann zwar die Möglichkeit des Gedankens (daß er sich selbst nicht widerspreche), aber nicht des Objekts, als Naturdinges erkannt werden, welches außer dem Gedanken (als existierend) gegeben / werden kann. Also wird, um die Möglichkeit bestimmter Naturdinge, mithin um diese a priori zu erkennen, noch erfodert, daß die dem Begriffe korrespondierende Anschauung a priori gegeben werde, d.i. daß der Begriff konstruiert werde. 

Nun ist die Vernunfterkenntnis durch Konstruktion der Begriffe mathematisch. Also mag zwar eine reine Philosophie der Natur überhaupt, d.i. diejenige, die nur das, was den Begriff einer Natur im allgemeinen ausmacht, untersucht, auch ohne Mathematik möglich sein, aber eine reine Naturlehre über bestimmte Naturdinge (Körperlehre und Seelenlehre) ist nur vermittelst der Mathematik möglich, und, da in jeder Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen wird, als sich darin Erkenntnis a priori befindet, so wird Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft enthalten, als Mathematik in ihr angewandt werden kann.
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Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft, [1786]
in Werke in zwölf Bänden, Ffm., 1977, Bd. 9, S. 13f.



Nota. - Wohlbemerkt schreibt er nicht wie Galileo, das Buch der Natur sei in mathematischen Zeichen geschrieben, mutmaßt auch nicht wie Leibniz, Gott selber dächte in mathematischen Formeln, nicht einmal wie Descartes, die Gesetze der Natur und die Gesetze unseres Verstandes seien von derselben mathemati-schen Gestalt, weil sie von demselben Schöpfer stammten. Er sagt nur dies: Unsere Erkenntnis von der Natur ist wissenschaftlich nur in dem Maß, wie sie mathematisch verfährt. Doch weshalb das so ist, begründet er selber nicht, er schließt sich erklärtermaßen an Newton an.
JE   


Samstag, 7. November 2015

Sprachkritisches.


Um eine allgemeine Charakteristik* zu Stande zu bringen müssen wir erst von der Ordnung in der Sprache abstrahieren, die Ordnung ist eine gewisse Musik, die wir festgesetzt, und die in wenigen Fällen (z.E. femme sage, sage femme)** einen sonderbaren Nutzen hat. Eine solche Sprache die den Begriffen folgt müssen wir erst haben, oder wenigstens für besondere Fälle suchen, wenn wir in der Charakteristik fortkommen wollen. Weil aber unsere wichtigsten Entschlüsse, wenn wir sie ohne Worte denken, oft nur Punkte sind, so wird eine solche Sprache eben so schwer sein zu entwerfen, als die andere, die daraus gefolgert werden soll.

*) meint er eine wissenschaftliche Enzyklopädie?
**) weise Frau - Hebamme

*

Die Bemühung ein allgemeines Principium in manchen Wissenschaft zu finden ist vielleicht öfters eben so fruchtlos, als die Bemühung derjenigen sein würde, die in der Mineralogie ein erstes Allgemeines finden wollten durch dessen Zusammensetzung alle Mineralien entstanden seien. Die Natur schafft keine genera und species, sie schafft individua und unsere Kurzsichtigkeit muß sich Ähnlichkeiten aufsuchen um vieles auf einmal behalten zu können.

Diese Begriffe werden immer unrichtiger je größer die Geschlechter sind, die wir uns machen. 


*

Mancher fühlt neu und sein Ausdruck womit er dieses Gefühl andern deutlich machen will ist alt.
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Lichtenberg, Sudelbücher A





Freitag, 6. November 2015

Sein und bedeuten.



Der Streit über bedeuten und sein, der in der Religion so viel Unheil angestiftet hat, wäre vielleicht heilsamer gewesen, wenn man ihn über andere Materien geführt hätte, denn es ist eine allgemeine Quelle unsers Unglücks, daß wir glauben die Dinge seien das würklich, was sie doch nur bedeuten.
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Lichtenberg, Sudelbücher, A


Nota. - Ist nicht aber der umgekehrte Irrtum unglücklicher?
JE




Donnerstag, 5. November 2015

Naturgesetz.



„Naturgesetz“ — ein Wort des Aberglaubens. 

Wenn ihr so entzückt von der Gesetzmässigkeit in der Natur redet, so müsst ihr doch entweder annehmen, dass aus freiem, sich selbst unterwerfendem Gehorsam alle natürlichen Dinge ihrem Gesetze folgen — in welchem Falle ihr also die Moralität der Natur bewundert —; oder euch entzückt die Vorstellung eines schaffenden Mechanikers, der die kunstvollste Uhr, mit lebenden Wesen als Zierrath daran, gemacht hat. — Die Nothwendigkeit in der Natur wird durch den Ausdruck „Gesetzmässigkeit“ menschlicher und ein letzter Zufluchtswinkel der mythologischen Träumerei.
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Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Bd. II, N° 9





Mittwoch, 4. November 2015

Den Witz achten sie wenig.


Ducreux

120. Den Witz achten sie darum so wenig, weil seine Äußerungen nicht lang, und nicht breit genug sind, denn ihre Empfindung ist nur eine dunkel vorgestellte Mathematik; und weil sie dabey lachen, welches gegen den Respekt wäre, wenn der Witz wahre Würde hätte. Der Witz ist wie einer, der nach der Regel repräsentiren sollte, und statt dessen bloß handelt.
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Friedrich Schlegel, Athenaeums-Fragmente





Dienstag, 3. November 2015

Spiel, oder Die frische Kraft des Müßiggängers.


Tinguely, Rotozaza

Das Urtheil sehr arbeitsamer und thätiger Zeitalter über den Werth des Lebens klingt wie fast desperat: man dachte über das Leben nach, wenn man nicht mehr arbeiten konnte und müde war. Die Griechen dachten besser vom Leben, dafür waren sie das Volk der Muße: sie arbeiteten eigentlich zur Erholung vom Müßiggang, und ihr Nachdenken kam aus frischer Kraft.

Die erfinderischen Menschen leben ganz anders als die Thätigen; sie brauchen Zeit, damit sich die zwecklose ungeregelte Thätigkeit einstellt, Versuche, neue Bahnen, sie tasten mehr als daß sie nur die bekannten Wege gehen, wie die nützlich-Thätigen.
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Fr. Nietzsche, Fragmente I[78],[80]




Montag, 2. November 2015

Warum philosophieren überhaupt nötig ist.



Dass die Menschen bestrebt sind, sich satt zu essen und danach das eine oder andere sinnliche Be-dürfnis auch noch zu befriedigen, versteht sich von selbst, dafür braucht man keine Philosophie. Philosophieren müssen wir, um zu verstehen, wo die Menschen diesen schlimmen Drang nach dem Höheren her haben. Denn ohne den hätte "das Leben" gewiss nie das Rad erfunden, vom Mühlrad ganz zu schweigen.

Will sagen, nicht einmal die materiellen Bedürfnisse des Menschen hätten sich höher entwickelt, wenn sein Horizont nicht von Anfang an über das Erfordernis des Tages hinaus gereicht hätte.


aus e. Notizbuch, im Frühjahr 2008



Sonntag, 1. November 2015

Den Menschen unterscheidet vom Tier… (II.)

…dass ihm in seiner offenen Welt auch solche Dinge…

 

…gewärtig werden, die keine Bedeutung für ihn haben – und ihm dadurch zum Rätsel  werden.