Dienstag, 18. September 2018

Gottes Natur.


Das ist Gottes Natur, dass er ohne Natur ist.
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Meister Eckhart, Fragmente N° 12







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Montag, 17. September 2018

Was Gott ist.


Der Mensch kann nicht wissen, was Gott ist. Etwas weiss er wohl: was Gott nicht ist.
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Meister Eckhart, Fragmente N° 3










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Sonntag, 16. September 2018

Ich: das nur negativ zu erkennende Absolute.

Ich?

Ich bedeutet jenes negativ zu erkennende Absolute, das nach aller Abstraktion übrig bleibt. Was nur durch Handeln realisiert werden kann und was sich durch ewigen Mangel realisiert. (So wird Ewigkeit durch Zeit realisiert, ohnerachtet Zeit der Ewigkeit widerspricht.) Ich wird nur im Entgegengesetzten wirksam und bestimmt für sich.
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Novalis, Fichte-Studien, in: Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 173


Nota. -  Die Wissenschaftslehre ist ein Kreis. Und doch ist sie eine Linie mit einem Ausgangs- und einem Flucht- punkt, nämlich vom Absoluten zum Absoluten: absolut unbestimmt und absolut unendlich.

'Der Ausgangspunkt ist ein schlechthin Unbestimmtes; 'bestimmt' allerdings als ein Ausgangs punkt, sonst 'gäbe es' nicht einmal eine Aufgabe. Bestimmen ist sein 'Trieb', es 'findet sich vor' in einem Unbestimmten - indem es sich ihm entgegensetzt und es 'als Raum bestimmt'. So geht es mit dem Bestimmen immer fort - ins Unendliche nämlich: ins schlechterdings Unbestimmte, das ewig zu bestimmen sein wird. Der hypothetische Ausgangspunkt, den er hinter sich gelassen hat, ist sein Ziel, das virtuell vor ihm liegt.  Er kommt von nichts zu nichts? Wenn ein End- gültiges gemeint ist, ja. Aber zwischen den äußeren Unbestimmten lagen und werden liegen unendlich viele Durchgänge, unendlich viele "vorübergehende" Bestimmungen, und die bilden uns eine Welt.

Es war durchaus kein Missverständnis, dass die Jenaer Romantiker Fichte als einen der Ihren zählten - bis zur Jahrhundertwende. Danach gingen sie unteschiedliche Wege.'  

JE




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Samstag, 15. September 2018

Die Widersprüche im System auflösen.


In einem philosophischen System alle Widersprüche auflösen wollen ist unvernünftig. Jede Lösung eröffnet ein Feld für neue Widersprüche: Setzen ist Entgegensetzen.

Versuchen muss man es doch, wie will man sonst vorankommen?

*

Fichte sagt, man müsse von jeder Stelle im System aus zu jeder anderen gelangen können, so dass eine jede ebensogut Anfang und Mittelpunkt des System sein könne wie alle jene. Dabei handelt es sich offenbar um das logische System der wechselseitig durcheinander bestimmten Begriffe; "alles, was der Fall ist". Als solches lässt es sich in der Tat nicht darstellen. Man fände keinen Anfang, aber auch keinen Abschluss. Es ist in jeder Rich- tung offen.

Das System der Transzendentalphilosophie ist eine genetische Abfolge von Vorstellungen, wo eine jede nur aus den vorangegangenen entstehen kann. Es ist ein Fortschreiten, wenn auch nicht linear, so doch systemisch. Während im logischen System alles gleichzeitig, synchronisch (eigentlich a-chronisch) ist, hat das System der Transzendentalphilosophie einen (dia chronischen) Verlauf. Nur in der Reflexion lässt er umkehren, nicht reell.

Es ist "nach außen", seinem Umfang nach, abgeschlossen. Es hebt an mit dem Wollen und endet beim fiktiven Schlussstein des Absoluten. Davor, daneben und dahinter ist nichts. "Nach innen", in die Tiefe, kann es gar nicht abgeschlossen werden, denn innen reproduzieren sich die Widersprüche in dem Maß, wie sie aufgelöst werden. Es ist nicht unendlich, aber genzenlos.

Das System der Transzendentalphilosophie ist unverzichtbar, denn es begründet alles reale Wissen. Ein System der Welt* wäre zu nichts zu gebrauchen.
 

*) Das physikalische Universum ist nicht die Welt. Eine Kosmologie, die die Möglichkeit anderer Welten postulieren muss, lässt sich eo ipso nicht in ein System bringen.

31. 5. 15







Nota.
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Freitag, 14. September 2018

Apologie des Müßiggangs.



Müßiggang, so pflegt man zu sagen, ist eine Wurzel alles Übels. Um das Übel aus der Welt zu schaffen, hat man die Arbeit empfohlen. Diese Betrachtung ist jedoch, wie man aus dem eben Gesagten leicht ersehen kann, sehr plebejischer Extraktion. Müßiggang als solcher ist keineswegs eine Wurzel des Übels, im Gegenteil, er ist ein wahrhaft göttliches Leben, wenn man sich mir nicht langweilt. Natürlich kann der Müßiggang es veranlassen, dass man sein Vermögen verliert; aber davor fürchtet sich die adlige Seele nicht, wohl aber vor der Langweile. Die olympischen Götter langweilten sich nicht, sie lebten glücklich in glücklichem Müßiggang. Eine weibliche Schönheit, die nicht näht noch spinnt, nicht strickt noch liest, auch nicht musiziert, ist in ihrem Müßiggang glücklich; denn sie langweilt sich nicht. Der Müßiggang ist also durchaus nicht die Wurzel des Übels, sondern viel eher das wahrhaft Gute.
 

Es gibt eine unermüdliche Tätigkeit, welche einen Menschen von der Welt des Geistes ausschließt und ihn in die Klasse der Tiere versetzt, die instinktmäßig immer in Bewegung sein müssen. So gibt es auch Menschen, die eine außerordentliche Gabe haben, alles in ein Geschäft zu verwandeln; ihr ganzes Leben ist ein Geschäft, sie verlieben sich und heiraten, sie hören einen guten Witz und bewundern klassische Musik mit demselben Ge- schäftseifer, mit welchem sie im Kontor arbeiten. Das lateinische Sprichwort: otium est pulvinar diaboli* ist ganz richtig; aber der Teufel findet die Zeit nicht, seinen Kopf auf dieses Kissen zu legen, wenn man sich nicht lang- weilt.
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Kierkegaard, Entweder-Oder; Die Wechsel-Wirtschaft; Müßiggang und Arbeit.

*) Müßiggang ist des Teufels Ruhekissen.


Nota. - Aus der Bemerkung, Tiere müssten instinktmäßig immer in Bewegung seien, schließe ich, dass er keine Katze hatte. Das macht mir vieles an seiner Philosophie verständlicher.
JE 



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Donnerstag, 13. September 2018

Adel der Langeweile.

Daumier

Alle Menschen sind langweilig. Das Wort selber weist auf die Möglichkeit einer Einteilung hin. Es kann sowohl einen Menschen bezeichnen, der andere langweilt, wie auch einen, der sich selber langweilt; die erstern sind die Plebs, die große Menge; die letztern die Auserwählten, der Adel; und es ist seltsam, aber wahr: diejenigen, wel- che sich selber nicht langweilen, langweilen im allgemeinen andere; diejenigen dagegen, die sich selber langwei- len, unterhalten andere.
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Kierkegaard, Entweder-Oder; Die Wechsel-Wirtschaft; Langweile der Überfülle





 

Mittwoch, 12. September 2018

Ausnahme und Regel.

 
...wenn man das Allgemeine recht studieren will, muss man sich bloß nach einer berechtigten Ausnahme umsehen.
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Kierkegaard, "Die Wiederholung" in Werke II, o.O. (Reinbek) 1961, S. 80