Montag, 14. Januar 2019

Begriff und Vorstellung.


Am Begriff kannst du so lange herumdefinieren, bis er dir in den Kram passt. Man kann ihn dir bestreiten und kann auf ihm rumreiten, man kann hinzutun und wegnehmen, so lange, bis alle Grenzen fließend sind. Wer sich mal darauf eingelassen hat, darf nichr mehr aufhören.

Mit dem Vorstellen ist es anders. Die eine baut auf der vorigen auf, anders geht es nicht. Um dir einen Wasser- fall vorzustellen, musst du dir Wasser vorstellen, davon kann man nichts abstreichen. Wenn dir aber einer sagt, Wasser kann ich mir vorstellen, aber keinen Wasserfall - dann magst du auf ihn einreden, doch überführen kannst du ihn nicht.

Daraus erhellt, dass in gewissem Sinn die Vorstellung zwar realer ist als der Begriff; aber erhellt zugleich, war- um sie zum Beweisen nicht taugt. Zum Vorstellen muss man verführen.










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Sonntag, 13. Januar 2019

Was heißt urteilen?

A. Zick

Urteilen heißt, eine Erscheinung einer Bedeutung zuordnen: 'X gilt als A'.

Fichte hat fälschlich urteilen von einer Ur-Teilung abgeleitet. Was etymologisch ein Irrtum war, ist semantisch eine Endeckung. Denn was immer wir wahrnehmen, ist uns ursprünglich als Einheit eines Gegenstands mit seiner Be- deutung gegeben. "Der Begriff verschwindet im Objekte und fällt mit ihm zusammen." (Fichte) Erst die Refle- xion setzt sie auseinander; Ur-Teilung. 

Sie erinnern sich:  Bei Kant heißt Urteilen das Zuordnen eines Besonderen zu einem Allgemeinen. Das Beson- dere ist in Raum und Zeit. Ein Allgemeines ist außer Raum und Zeit, nicht von dieser Welt, Noumenon. Das Be- sondere ist das-Ding-selbst, das Allgemeine ist, was es bedeutet. (Ein Ding-an-sich wäre außer Raum und Zeit.)






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Samstag, 12. Januar 2019

Angst vor der eigenen Courage.


Die Frage nach der Herkunft unsrer Wertschätzungen und Gütertafeln fällt ganz und gar nicht mit deren Kritik zu- sammen, wie so oft geglaubt wird: so gewiß auch die Einsicht in irgendeine pudenda origo für das Gefühl eine Wertverminderung der so entstandnen Sache mit sich bringt und gegen dieselbe eine kritische Stimmung und Haltung vorbereitet.

Was sind unsre Wertschätzungen und moralischen Gütertafeln selber wert? Was kommt bei ihrer Herrschaft heraus? Für wen? in bezug worauf? – Antwort: für das Leben. Aber was ist Leben? Hier tut also eine neue, bestimmtere Fassung des Begriffs »Leben« not. Meine Formel dafür lautet: Leben ist Wille zur Macht.

Was bedeutet das Wertschätzen selbst? weist es auf eine andere, metaphysische Welt zurück oder hinab? (wie noch Kant glaubte, der vor der großen historischen Bewegung steht.) Kurz: wo ist es entstanden? Oder ist es nicht »ent- standen«? – Antwort: das moralische Wertschätzen ist eine Auslegung, eine Art zu interpretieren. Die Auslegung selbst ist ein Symptom bestimmter physiologischer Zustände, ebenso eines bestimmten geistigen Niveaus von herrschenden Urteilen:

Wer legt aus? – Unsre Affekte. 

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Nietzsche, Aus dem Nachlass (XII) 


Nota. - Beinahe hätte er den Hasen noch erwischt: "Leben ist auch nur eine Fiktion!" - Da hat er einfach mal nicht richtig aufgepasst, und schon hat er sich eine große Verlegenheit erspart. So fasst er nun 'den Begriff Leben bestimmter': Wille zur Macht! Nachdem er sich um seine Pudenda origo herumgedrückt hat, darf er unbefangen frei hantieren: sich ausdenken, was immer ihm einfällt. Wenn er die Herkunft vertuscht, muss er die Kritik nicht weiter fürchten.

Nietzsche, es ist aber ein Skandal! Da fragst du, wo unsere Wertschätzung "herkommt"? Wie nennen wir doch aber die Fähigkeit, Werte zu schätzen, die mit unser Bequemlichkeit und Selbsterhaltung nicht zu tun haben? Richtig: die ästhetische. Und aus gerechnet Sie, lieber Herr, wollen sie unter "unsere Affekte" zählen?!

Ich kannte mal einen, der auf seine antimetaphysische Weltbetrachtung stolz war: "aber eine artistische"!
JE

 


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Freitag, 11. Januar 2019

Dinge und ihre Qualitäten.


Wenn alle Einheit nur als Organisation Einheit ist? Aber das »Ding«, an das wir glauben, ist nur als Unterlage zu verschiednen Prädikaten hinzuerfunden. Wenn das Ding »wirkt«, so heißt das: wir fassen alle übrigen Eigenschaf- ten, die sonst noch hier vorhanden sind und momentan latent sind, als Ursache, daß jetzt eine einzelne Eigen- schaft hervortritt: d. h. wir nehmen die Summe seiner Eigenschaften – x – als Ursache der Eigenschaft x: was doch ganz dumm und verrückt ist! 

Alle Einheit ist nur als Organisation und Zusammenspiel Einheit: nicht anders, als wie ein menschliches Gemein- wesen eine Einheit ist: also Gegensatz der atomistischen Anarchie, somit ein Herrschafts-Gebilde, das eins bedeutet, aber nicht eins ist.
[561] 
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Nietzsche, Aus dem Nachlass (XII)


Nota. - Es gäbe keine Prädikate ohne ein Ding, dem sie zukommen? Wohl wahr, aber es gibt kein Ding ohne Prädikate, die ihm zukämen. Das eine wie das andere sind bloße Denkbestimmungen, und nur als solche lassen sie sich scheiden; und unterscheiden. In der Wirklichkeit gibt es weder ein Ding an sich noch eine Qualität an sich.

Nietzsche hat Unrecht, wenn er meint, in Wahrheit gäbe es nur die sinnlichen Qualitäten, ihre Einheit im Ge- genstand sei nur hinzugedacht. Denn diese eine Qualität ist ihnen auch sinnlich gemeinsam: dass sie nicht ich sind; aber alle auf einmal. Bedeutung ist nicht nichts, sondern die Qualität, die Etwas für mich aufweist.
JE






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Donnerstag, 10. Januar 2019

Kausalität ist Bedingung aller Erfahrung.

                                                                                                                   aus Freiheit und Erfahrung.

... geht es aber noch darum, den Begriff der Erfahrung unter den Begriff der Denknotwendigkeit zu bringen. Einem, der nicht weiß, was gemeint ist, kann man 'Erfahrung' nicht erklären: nicht aus Begriffen zusammen- setzen. Es ist wie mit der Kausalität: Begreifen kann man vorher/nachher, aber wegen muss man allbereits im Auge haben, um es anschauen zu können.

Und tatsächlich beruht alles, was wir unter Erfahrung verstehen - die Ableitung von Denkbestimmungen aus physischen Reizen -, auf der Vorstellung von Kausalität. Und zuvor schon galt uns als Prüfstein der Vernünftig- keit, als Grundstein der Vernunft, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das Zeitalter der Vernunft ist dasjenige, in dem ein Jeder danach beurteilt wird, ob und wie weit er in der Welt nach dem Verhältnis von Ursache und Wir- kung fragt.


Im wirklichen Bewusstsein des Alltagsmenschen ist Kausalität dasjenige in der Welt, das ihren Sinn ausmacht - nämlich einem gerechtfertigten Zweck dient, der seinerseits als Naturzweck alias Weltgesetz vorgestellt wird.






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