Es ist gleich tödlich für den Geist, ein System zu haben, und keins zu haben. Er wird sich also wohl ent- schließen müssen, beides zu verbinden.
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Friedrich Schlegel, Athenaeums-Fragmente N° 53
Nota. Das
obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie
der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht
wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog
Allard, Un enfant des Abruzzes
Es ist Ihnen
vielleicht manchmal vorgekommen, als trüge ich meine Aussagen zu selbstsicher vor,
ohne die ge-botenen Kautelen und Rücksichten.
Das dient
zunächst einmal der Klarheit. Dass das, was ich vortrage, 'nur meine
persönliche Meinung' ist, versteht sich von selbst. Wenn andere es auch
vortrügen, könnte ich es mir sparen. (Das gilt auch für Sätze, die Ihnen
trivial erscheinen; nicht alle wiederhole ich in didaktischer Absicht; manche waren für mich, als ich sie nieder-schrieb, neue
Gedanken.)
Weshalb glaube
ich aber, dass ich zum Besten geben soll, was mir einfällt? Wenn das jeder täte!
Ich fühle mich
ermächtigt und angehalten, meine Meinungen öffentlich zu machen, weil ich
gewiss bin, einen Standpunkt gefunden zu haben, von dem aus einige Fragen lösbar
oder besser lösbar erscheinen, als von anderen aus. Und den Standpunkt habe ich gefunden, aber nicht gesucht. Er hat sich ergeben als
gemeinsamer Nenner von Einzelergebnissen.
Was ist also mein Eigenes?
Zunächst ein
paar Realien, die als solche weit auseinander liegen und nach einem gemeinsamen
Nenner nicht gerade schreien.
1.
Da ist zuerst meine Auffassung der Species homo sapiens als die ("kindlichste"
und eo ipso:) "männlichste" Spezies – weltoffen, unreif und bildsam. Soweit
ich weiß, bin ich bis heute der einzige, der diese Ansicht vertritt.
2.
Zweitens meine Auffassung der spezifisch europäischen Feudalität und ihrer vielfach bedingten Eigentums- und
Herrschaftsformen als historische Voraussetzungen für die Ausbildung einer bürgerlichen
Gesellschaft; und insofern als
prägend für die abendländische Kultur. Das mag vor mir schon mancher
andere gemeint haben, aber direkt ausgesprochen habe ich es noch
nirgendwo sonst gefunden.
3.
Meine Kennzeichnung der 1990 untergegangenen Gesellschaften sowjetischen Typs
als feudalbürokratische Ver-knappungs- und Vergeudungssysteme. Das ist, so feuilletonistisch die Formulierung klingt, ein ernstgemeinte histori-sche Charakterisierung.
4.
Viertens ein Stück Philologie: meine Auffassung, die Kritik der Politischen Ökonomie sei nicht zu begreifen mittels der
Hegel’schen Logik, sondern mittels
der 'Kritischen' Philosophie alias Wissenschaftslehre.
5.
Daraus folgt – wiederum als Realie – meine Ansicht vom Absterben des Tauschwerts im Laufe der Digitalen Re-volution.
Soweit
die realen historischen Theorien, die Sie nirgends anders vertreten finden. Sie
hängen zwar nicht ab von –, aber doch (zumindest methodisch) zusammen mit meinen
eigentlich philosophischen Einsichten:
Da
ist zuallererst und für mich am wichtigsten meine Auffassung der Fichte’schen Wissenschaftslehre
nicht als eine Theorie des Bewusstseins,
sondern als eine Begriffsbestimmung der Vernunft.
Diese 'Meta'-Einsicht stammt aus (und rechtfertigt) einige(n) philosophische(n) 'Objekt'-Erkenntnisse(n):
1) 'Die Welt' – und die ihr adäquate Bewusstseinsweise der Vernunft – ist eine Überkompensation der im Prozess der
Hominisation aufgegebenen und naturwüchsig sinnsetzenden Umweltnische.
2)
Dies ist der Ur-Sprung des Specificum Humanum: unseres poietischen Vermögens.
3)
Das zwiespältige Resultat dieses Verlustes & Neuerwerbs ist die Freiheit als Folge des Zerfalls der
angestamm-ten Umweltnische in unsere Welt
und meine Welt.*
4)
Die Form der Vernunft in specie ist die
Wissenschaft, die systematische Rekonstruktion unserer Welt. Als solche ist sie spezifisch öffentliches Wissen (wie überhaupt die Spaltung von unserer und
meiner Welt ihre reelle Entspre-chung findet in der spezifisch bürgerlichen Scheidung
von Öffentlich und Privat).
5)
Die Wissenschaftslehre ist die vor-begriffliche Rekonstruktion der Erfindung
von meiner Welt mit der Ver-nunft als
ihrem terminus ad quem.
6)
Das Absolute als das unvermeidliche
Korrelat ('wozu?') des sich-selbst-setzenden
Ichs ist eine ästhetische Idee. Sie ist
der Vereinigungspunkt, von dem aus unsere Welt und meine Welt zugleich überschaubar werden.
7)
Metaphilosophie und Praktische Philosophie verhalten sich zueinander wie Frage
und Antwort. Zwischen beiden steht als Klammer und Scheidelinie die Kritik. Metaphilosophie und Praktische
Philosophie bilden zu-sammen (=als Frage und Antwort) die Anthropologie. Zwischen beiden liegt die Kritik als eine Selbstreflexion
der Anthropologie.
*[Nachtrag Jan. 2018: Daraus folgt die Zuordnung der Vernunft (und des Rechts) zu unserer Welt - und der Mora- lität zur Ästhetik und zu meiner Welt.]
*
Das
ist alles nicht der Weisheit letzter Schluss, aber so ist es in der
Philosophie immer. Doch immerhin recht-fertigt es die Hartnäckigkeit, mit
der ich meine Blogs betreibe. Und wenn ich – vielleicht nicht in allem, aber im wesentlichen – Recht habe, wäre es nötig, dass sie gelesen werden.
19. 4. '16
Nota. - Ergänzung zum gestrigen Eintrag.
JE

Philosophie
ist wissenschaftlich nur als Kritik. Und nur als Kritik sollte sie sich zu
einem System ordnen lassen. Negativ zwar, sofern ihr letzter Grund darin
aufgefunden wird, dass ein realer Urgrund des Wissens sich nicht nachweisen lässt. Sie ist Wissen des Wissens und endet in der
Einsicht, dass das Wahre als beabsichtigter Gegen- stand des Wissens nicht
aufgefunden, sondern postuliert wird. Ein solches Wissen vom Wissen ist in
seiner Ne- gativität rein formal und hat keinen Inhalt.
Das
war aber nicht die Absicht, aus der heraus die Philosophie entstanden ist. Sie
wollte im Gegenteil ein posi- tives Wissen, das als Wegweiser zur richtigen
Lebensführung taugt. Die Kritik zeigt nun: Mit theoretischen Mit- teln ist das
nicht zu haben. Die richtige Lebensführung lässt sich nicht ergründen, sondern
kann nur entworfen werden. Sie muss frei erfunden werden, und ihr einziger
Maßstab* ist Schönheit – nämlich ob sie vor allem In- teresse gefällt. Da kann die theoretische, wissenschaftliche, kritische
Philosophie allerdings sekundär behilflich werden: indem sie die Interessen ans Licht zieht und abweist.
Die
Kritik fügt dem Wissen sachlich nichts hinzu. Sie macht aber durch ihre
Distinktionen das Wissens selbst – nicht erst das Gewusste – zu einem möglichen
Gegenstand des Urteils: Was ist vor-, was ist nachgeordnet? Sie prüft den Wert
des Wissens und ist also selber praktisch.
Daraus
erhellt aber zugleich, dass der Maßstab zur Beurteilung des Wissens nicht in
ihm selber aufzufinden ist, sondern ihm 'vor'-, d. h. übergeordnet war. Die 'Begründung' des Wissens geschieht actu im 'metaphilosophi- schen' Raum – und hat sich in der praktischen oder
Lebensphilosophie zu bewähren. Sie ist eine pragmatische Fiktion, und insofern
eben doch: 'Hypothese', genauer: Hypostase.
Ist nicht proiectio, sondern proiectum. Und dies ist das einzige 'Interesse', das der Kritik
standhält.
*) Einen Urteilsgrund gibt es nicht. Und ein Urteil ohne Grund nennen wir 'ästhetisch': Es hat als Anhaltspunkt nichs als den Geschmack.
irgendwann in 2010
mzibo.net
A und O der Philosophie: Der Mensch
ist das einzige Tier, dass sich mit seinem Dasein nicht begnügen kann.
Es füllt ihn nicht aus, weil er das einzige Lebewesen ist, das nicht
(mehr) an seinem angestammten Platz lebt, wo er hingehört und der ihm
seine Bestimmung vorgibt, die er nur noch zu erfüllen hat. Er lebt in
einer Welt, die keine Grenzen hat, die er ausfüllen könnte.
In der Welt fühlt er sich ständig unterwegs
und nie an seinem Platz. Der eine kommt sich als geworfen vor, der
andere als ausgesandt; und keiner aufgehoben. Dazwischen spielt sich
alle Philsophie ab.
Das A selber ist noch kein philosophisches Problem, sondern ein entwicklungsgeschichtlicher Sachverhalt.
aus e. Notizbuch, Frühsommer 09
Weitergehen müsste es mit O: der sekundären Freisetzung des Menschen durch das Ende der industriellen Zivi- lisation in der digitalen Revolution; dazwischen liegt die selbstgebaute Umweltnische der Arbeitsgesellschaft. - Soweit die anthropologische Basis allen Philosophierens.
Es beginnt mit der Frage, wohin. Darauf
folgen viele - erst mythische, dann religiöse, schließlich vernünftige -
Antworten, doch selbst die vernünftigen Antworten können der Kritik schließlich nicht standhalten. Und am Schluss steht doch wieder nur die Frage: wohin. Der einzig positive Ertrag der Kritik ist der: Nach dem Wohin ist nicht in der Welt zu suchen, sondern findet sich mit dem Gehen selbst.
29. 10. 14
Ach, der Weg ist das Ziel? Das wusste man vorher, das ist nicht originell. - Nein, ist es nicht. Nach der Kritik wis- sen wir aber, dass es nicht nur anders nicht sein kann, sondern dass es eine Sache unserer Freiheit ist, was wir dar- aus machen. Und da gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten. Nihilistisch sind sie alle: Die eine, gottergebene, fügt sich untätig in ihr Los und harrt der Dinge, die da kommen. Das ist der religiöse Weg. Die zweite, existenzi- alistische, fühlt sich geworfen und ist stets auf das Schlimmste gefasst. Sie ist pathetisch und selbstbezogen und po- siert mehr als dass sie handelt. Die dritte ist der artistische. Sie schafft der Schönheit halber, weil sie sich selbst begründet, und weil gewissere Gründe nun mal nicht vorliegen.
Canova, Orpheus
Was in der Logik ist, wie es ist, das war und ist immer so und wird immer so bleiben. Zwischen jeglicher Be- stimmung steht ein Gleichheitzeichen, vorwärts wie rückwärts, man steht überall auf demselben Standpunkt. Logik ist statisch.
Vorstellen ist dynamisch. Eines folgt aus dem andern, aber nicht umgekehrt; wo immer man steht, ist ein Drang - nach vorn. Rückwärts geht es gar nicht, dazu müsste man aus dem Vorstellen ausscheren und sich das Vorstel- len selber vorstellen. Das aber ist möglich, denn im Vorstellen herrscht nicht nur Bewegung, sondern insbeson- dere ein Beweger, und der kann sich umwenden.
Götz, Balancierender
Vernunft gibt es nur als Idee. In der Wirklichkeit gibt es lediglich Vernünftigkeit – als das aktuale Bemühen, 'meine' Welt mit 'unserer' Welt ins Verhältnis zu setzen; und zwar nicht ein für allemal, sondern jeden Moment neu.
6. 9. 15
Nicht in irgendein Verhältnis, sondern ins Gleichgewicht, und sei's auch immer nur einstweilen. Wer beide regel- los neben einander herlaufen lässt, gilt den andern als verrückt. Das Gleichgewicht ist schlechterdings prekär. Der Grat, der beide scheidet, schwankt in Zeit und Raum mal mehr nach dieser, mal mehr nach jener Seite. Gleichgewicht ist nur ein modus vivendi; nämlich ein Modus, der mir erlaubt, mit andern zu leben. Das hängt aber nicht nur von mir, sondern mehr noch von den andern ab.
Mein Vermögen ist eins: alles, was ich vermag. Ob
es phylogenetisch oder ontogenetisch bedingt ist, ob es mir angestammt
wurde oder ob ich es spontan und individuell erworben habe, merkt man
ihm selbst nicht an.
Verschieden
sind die Gegenstände, auf die ich es anwende, und verschieden wohl auch
die Weisen der Anwen- dung. Ähnliche Anwendungsweisen schaffen
Ähnlichkeiten zwischen Gegenständen, die ich so zu Klassen zu- sammenfassen kann.
Bin
ich soweit einmal gekommen, mag es aussehen, als sei mein Vermögen
selbst in Klassen unterschieden. Namentlich in ein Erkenntnisvermögen,
durch das ich mit Hilfe von Begriffen an den Gegenständen meine Zwecke
realisiere, und eine zweckfreie Anwendung, die 'ohne Interesse gefällt'.
Letztere fasse ich auf als mein Vermögen. Ob und wie das eine oder das andere in Anspruch genommen wurde, lässt sich immer erst am ein- zelnen Fall und nachträglich unterscheiden.
2. September 2013
Von Paul Watzlawik stammt der Satz, wer als einziges Werkzeug einen Hammer habe, dem kämen alle Proble- me wie Nägel vor. Umgekehrt ist es auch so. Wer einen Nagel in die Wand schlagen will, dem kann alles als Hammer dienen.
Na schön, alles nicht. Wer Durst hat, dem hilft kein Hammer, und mit einem Schnupftuch kann ich keinen Nagel in die Wand schlagen. Was als Hammer taugt, entscheidet sich am Nagel und an der Wand, womit ich mich schneuzen kann, bestimmt die Empfinglichkeit meiner Nase.
Ja, und natürlich mein Geschick. Was ich vermag, hängt stets von Vielem ab, und ob oder ob nicht, erweist immer erst der Versuch. Manchmal staune ich selber.