Dienstag, 21. Oktober 2014

Zu Grunde liegt eine Anschauung.


bardo  / pixelio.de

Bleibt immer dies: Das Material des Begriffs* ist zunächst eine Vorstellung; und die ist die re-Präsentation einer gehabten oder eingebildeten Anschauung.

aus e. Notizbuch, um 2005


*) das Was, das er erfasst





Montag, 20. Oktober 2014

Begriff; Inhalt und Umfang



1. intentio klass.: Absicht
2. intentio m.a.: Bedeutung
3. tertium: Hinsicht

Der Mittelbegriff (tertium) zu intensio und extensio ist intentio. Wäre intentio ein isomorpher Stoff wie Macchiavellis "virtù", dann wären die beiden andern einander umgekehrt proportional.

Sind sie aber nicht. Die Intentio ist jeweils singulär. Sie ist "Anteilnahme"; die hat Grade, aber keine 'Ausdehnung'.

aus e. Notizbuch, im Mai 09








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Sonntag, 19. Oktober 2014

Begriff, Kritik und Analyse.


mahle

Begriff

- zum einen: Mittel der Kritik. Das Menschenleben ist am besten anschaulich, d.h. in bildhaften Ausdrücken darzustellen, jedenfalls in seiner 'Gänze'. Denn als Ganzes ist und bleibt es ein Rätsel. Einzelne 'Seiten' lassen sich herausgreifen, isolieren, de-finieren, in pragmatischer Absicht, nicht als positive Erkenntnis. Aber die bildhafte Darstellung läuft schnell aus dem Ruder. Der Begriff ist ein Mittel der Kontrolle. Durchleuchtet die Bilder.

Ständige Versuchung des abendländischen Denkens: das kritische Potential des Begriffs ins Positive zu wenden und aus dem Begriff die ganze Welt zu re-konstruieren: die 'Metaphysik' im engeren Sinn.

- zum andern: Der Begriff erlaubt, 'Elemente' aus dem Fluss des Erlebens herauszuheben, isolieren, de-finieren usw; und erst das 'begrenzte', 'bestimmte' usw. Phänomen lässt sich messen! Die Zergliederung bzw. Er-Fassung der Welt durch Begriffe dient ihrer Messbarkeit und ergo Berechenbarkeit. 

Der Begriff ist die operative Voraussetzung der Digitalisierung des Denkens und für das Kalkulieren der Welt. Dies zusammen mit der metaphysischen Versuchung des abendländischen Geistes ergriff die rationalistische Metaphysik; Descartes, Spinoza, Leibniz. Deren scheinbare Vollendung: Fichte. Aber er fasst nicht die Welt ins begriffliche System, sondern das Bild der Welt. Und insofern ist sein 'System' Kritik, s. o.

aus e. Notizbuch, um 2005 







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Samstag, 18. Oktober 2014

Gleichsetzen, um zu unterscheiden.


Wir lernen die Dinge unterscheiden, indem wir ihnen Namen geben; sie als Dieses und Das und Jenes identi- fizieren. Ohne dies müssten wir jeden Tag mit dem Unterscheiden neu anfangen, und immer wieder mit dem Gröbsten. Zu den Feinheiten kommen wir nur, weil wir die Unterschiede im Groben schon behalten haben - in ihren Namen.

Die Dinge?

Ein Name bezeichnet immer nur ein Dieses-so-wie-es-ist; ein Singulum. Aber eben nicht bloß hier und jetzt, sondern auch morgen und sonstwo.

Der Begriff ist kein Name für ein Ding, sondern für ein Merkmal - oder Merkmal von Merkmalen -, das das eine Ding mit sounsoviel anderen Dingen gemeinsam hat. Er unterscheidet eine Gruppe von Dingen von allen ande- ren Gruppen und setzt sie - die Dinge - insofern gleich.

Die Intensio der Begriffe ist die Fülle der Merkmale, die er unter sich fasst.  Die Extensio ist die Menge der Dinge, auf die er passt.

Die Fülle der Merkmale müsste a priori festgestellt - "definiert" - werden können. Auf welche Menge von Dingen er zutrifft, muss sich durch seine Verwendung erst finden.

Findet sich, dass er auf zu Vieles "passt", dann erweist er sich als praktisch unbrauchbar. Er taugt nicht mehr genügend zur Unterscheidung, weil er nicht genügend-gleich setzt. Man muss ihm Merkmale hinzufügen - und, um Missverständnisse im Gebrauch zu vermeiden, am besten seinen Namen ändern. 

Wenn er auf zu Weniges zutrifft? Dann taugt er nicht mehr im Verkehr der Begriffe miteinander. Er bleibt un- beachtet am Rande liegen und gerät außer Gebrauch. Bis - vielleicht! - zu dem Tag, wo sich herausstellt, dass seine Unterscheidung gar nicht so überflüssig war.

aus e. Notizbuch, Mai 2009


Nachtrag I.


Erst was in einer bestimmten Hinsicht als gleich angeschaut wird, kann in einer anders bestimmten Hinsicht unterschieden werden.

Nachtrag II.

Die Merkmale der Dinge sind ihre Qualitäten - und das, was sie bedeuten. Sie sind nicht, sondern gelten; 'gelten als seiend' - das bedeutet hier dasselbe. Was am Ding ist, ist lediglich seine Gegenständlichkeit - dass es zum Gegen- stand zweckhaften Handelns werden kann. Welchem Handeln es welchen Widerstand entgegensetzt, gehört schon zu seinen Qualitäten. 14. 1. 19


 

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Über Begriffe, I.


 
„Die Bedeutung der Wörter ist ihre Verwendung im Sprachspiel.“ – Das ist salopp ausgedrückt. Um den springenden Punkt zu vertuschen? Die Bedeutung der Wörter bildet sich durch ihre Verwendung im Sprachspiel: Das wäre korrekt. Denn es lässt die Frage offen, wo die Wörter her gekommen sind; oder besser: Es stellt die Frage! Erst das Sprachspiel, dann die Bedeutungen? Oder doch: erst die Bedeutungen, dann das Sprachspiel?!

Einen Begriff nennen wir ein Wort, dessen Bedeutung durch seine Verwendungen in den Sprachspielen so fest gestellt ist, dass sie in den verschiedensten – na ja, in verschiedenen Sprachspielen fungieren kann. Ob ich nun ‚Bedeutung’ sage oder ‚Verwendung im Sprachspiel’ – dieses bleibt: Beide befinden sich in der Spannung zwischen dem Gehalt – ‚intensio’ – und dem Umfang – ‚extensio’ – des Begriffs. Wobei die Intensio nichts anderes ist, als was die Scholastiker intentio nannten: ‚das, was beabsichtitgt ist, das, worauf abgesehen wird’. Die Extensio, das ist offenbar der Umkreis der (sinnlich begegnenden) Phänomene, die unter die Absicht des Begriffs fallen, die also im Begriff ‚mitgemeint’ sind. So, dass die Intensio die Qualitäten festlegt, die ‚gemeint’ sind; und die Extensio die Phänomene zählt, denen diese Qualitäten zugesprochen werden. So, dass weiterhin die Zahl der gemeinten Phänomene zunimmt in dem Maße, wie die Zahl der gemeinten Qualitäten abnimmt, und wiederum abnimmt in dem Maße, wie die Intensität (Stärke, Tiefe, nicht: Menge!) der jeweiligen Qualität zunimmt. (Und ohne Qualitäten geht es nicht.)

Es reproduziert sich in jedem Begriff die Doppeltheit des Bewusstseins, dass dem sinnlich Gegebenen eine Bedeutung zu-gedacht wird, und keines ohne das andere gedacht werden kann; also der ‚Begriff’ (oder das ‚Ding’, das er ‚erfasst’) immer in einer Schwebe vorkommt zwischen Umfang und Gehalt.


[vgl. Cassirer]

aus e. Notizbuch; um 2007






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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Der Sinn des Seins.


 
Die Griechen fragten nach dem wahren Wesen des Seins - in der stillen Erwartung, dass damit die Frage nach dem richtigen Leben schon mitbeantwortet würde. Das Christentum erklärte die Welt als Heilsgeschehen - und da war beides eins.

Jede Lehre, die den Sinn mit dem Sein identifiziert, ist metaphysisch.

aus e. Notizbuch, im März 08








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Montag, 13. Oktober 2014

Von Qualitäten gibt es keine Wissenschaft.



Das Reich des Ästhetischen ist das Reich der Qualitäten. Qualitäten sind singulär; hic et nunc. De singularibus non est scientia. Das Singuläre steht eo ipso zu nichts im Verhältnis. Wissenschaft als die Beweisende, zwingend Herleitende, Demonstrierende, Diskursive gibt es nur von Verhältnismäßigem.

aus e. Notizbuch, 14. 11. 05

Nachtrag, Okt. '14 
Das ist jene Unterscheidung, die J. Fr. Herbart zwischen 'Metaphysik' und 'Ästhetik' macht.






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