Mittwoch, 7. Januar 2015

Ganzheitlich ist analytisch rückwärts.


vroma

Das Prinzip der modernen Wissenschaften ist Analyse; und darum ist sie atomistisch -? Recte: Sie ist vorderhand (dem erwarteten  Ergebnis nach) atomistisch und darum verfährt sie analytisch. 

Die Grundvorstellung ist nämlich die, Wahrheit sei zusammengesetzt aus letzten, kleinsten, unauflöslichen Wahrheitspartikeln ("Begriffe"), die ihrerseits (als Entelechien) das Gesetz in sich tragen ("Logik"), sich zu Molekülen, zu Zellen, zu Organen und Organismen zusammenfügen; zum "Kosmos".

Der Organizismus ist nur auf den ersten Blick das genaue Gegenteil, indem er nämlich die Reihenfolge umkehrt; die innere Verfassung ist aber dieselbe, der Streit geht nur darum, auf welcher Seite die ("onto"-) logische Priorität liegt, von welcher Seite her die Geltung ausgeht. - Aber dass das, was erscheint, sein Gesetz, wie es erscheint, in sich selber trägt, darüber sind sie ja einig; nur ob dieses von oben nach unten oder von unten nach oben weist, das ist strittig.

Die kritische Auffassung stellt sie gleichrangig nebeneinander und löst sie auf.

aus e. Notizbuch, 30. 4. 07





Dienstag, 6. Januar 2015

Die Identität des Ichs.


Galaxie PGC 6240 im Sternbild Wasserschlange

Das Ich* ist keine Anschwellung der Selbstigkeit, im Gegenteil: Es ist das bestimmt-Andere von allem Andern; es "setzt sich" als das Andere des Andern: rückwirkend.

Die Achtung des Andern gibt es nicht ohne Selbstachtung? Umgekehrt: Die Achtung meiner als Ich gibt es [für mich]** nur unter der Voraus-Setzung der Achtung der Andersheit des Andern.

aus e. Notizbuch, 23. 10. 05

*) [das empirische]
**) Vorher gibt es bloß ein Übereinstimmen mit einem Bedürfnis, das, indem es befriedigt wird, meinem Selbst zukommt; hier hieße es richtig: Ich ist es, oder es ist mich.







Montag, 5. Januar 2015

Von Qualitäten gibt es keine Wissenschaft.

Herwig Hauser

Qualitäten sind singulär, hic et nunc. De singularibus non es scientia. Das Singuläre steht eo ipso zu nichts im Ver- hältnis. Wissenschaft als Beweisende, zwingend Herleitende, Demonstrierende, Diskurrierende gibt es nur von Verhältnismäßigem.

aus e. Notizbuch, 14. 11. 05


- "Es lässt sich doch als Gleichung darstellen - also ist es eine Relation!"  

- Nein. Es war nicht erst die Figur da und dann ihre Zerlegung in eine Formel. Andersrum. Die Formeln der Mathematik sind Konstruktionsanweisungen. Es wurde konstruktiv gespielt, und als die Figur ihre spezifische ästhetische Qualität erreicht hatte, wurde sie 'festgesetzt'. Es ist dieses Festsetzen, das die o. a. Formel symbo- lisiert.





Sonntag, 4. Januar 2015

Vom Missverstehen.



Aktualisiert wird die transzendentale Problematik jedesmal wieder im Missverstehen.

Auch das Tier kann sich irren - indem es ein Signal mit dem andern verwechselt. Ein Mensch kann sich aber auch so irren, dass er demselben Signal - symbolisch bezeichneten Gegenstand - eine andere Bedeutung zu- schreibt, als das Symbol "objektiv" gemeint hat.

Aus dem Irrtum erwächst der Zweifel. Und aus dem Erlebnis des Zweifels erwächst die Freiheit, nein zu sagen.

aus e. Notizbuch, im März 03









Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Samstag, 3. Januar 2015

Die Frage nach dem Wahren ist unzeitgemäß.



Wer immer mit mir argumentiert, setzt ipso facto voraus, dass sich vernünftiges Denken von unvernünftigem unterscheidet; dass 'es' einen Prüfstein 'gibt', an dem sich Meinungsstreit entscheiden lässt; dass also Vernunft irgendwie irgendwo "da ist". Und was ist Vernunft anderes als das "wahre" Meinen im Unterschied zu allem "unwahren" Meinen?

An der Frage nach dem Wahren ist daher nicht die Frage unzeitgemäß, sondern dass sie einer stellt. 

aus e. Notizbuch, 4. 11. 03





Freitag, 2. Januar 2015

Der Streit ist der Vater aller Dinge.


attisch

Worüber man sich nicht streiten* kann, kann man sich auch nicht verständigen.

aus e. Notizbuch, 6. 9. 05      


Darüber muss man, braucht man sich auch nicht zu verständigen - das ist der eigentlich springende Punkt. Der Große Zweck der Vernunft sei der, Übereinstimmung herzustellen, sagt Fichte - aber doch nur, wo sie gebraucht wird! Und das ist grundsätzlich der Fall in der Welt, dem 'Teil' der Welt, in dem wir miteinander zu tun haben; denn ohne Übereinstimmungen wird da nichts gelingen. In den Bereichen aber, wo jeder nach eigner Façon selig werden muss, ist die Suche nach Übereinstimmung so hinderlich wie aller Streit überflüssig. 

Merke: Worüber man nicht streiten kann, ist nicht der Rede wert.


*) Gr. polemos können Sie nach Belieben mit Krieg oder mit Streit übersetzen.






Donnerstag, 1. Januar 2015

Das ist der Sinn des Sinns: dass danach gefragt wird.


W. Busch

Mit dem Sinn ist es wie mit der Wahrheit: Er "ist in der Welt", sobald ich nur nach ihm frage. Denn wenn ich auch keine Antwort kriege, macht er sich fortan doch immer noch als Mangel geltend. Das ist der 'Sinn' des Sinns (wie der Wahrheit): dass danach gefragt wird. Mehr Realität braucht er nicht.

aus e. Notizbuch, 11. 7. 03