Samstag, 30. April 2016

Vernunft ist unbegreiflich.


Erich Westendarp, pixelio.de

Vernunft ist praktisch. Theoretisch ist sie nicht fassbar, denn dazu müsste sie bedingt* sein. Sie ist aber durch Freiheit möglich.

Sie ist aber auch nicht "unbedingt", das lässt nur der Klang der Wörter vermuten. Denn sie ist gar nicht, sondern geschieht. Nämlich als das Wozu eines Akts. Der wiederum ist durch Freiheit möglich, und wo sie wirkt, entsteht ein Fakt. Ein Fakt ist unbegreiflich.

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*) d. h. durch Begriffe bestimmbar, und das heißt: logisch. Aber das Fassen unter Begriffe muss die Vernunft erst selbst besorgen.





Freitag, 29. April 2016

Kannst du das auch beweisen?




“Behaupten kann jeder”, sagte August Wilhelm Schlegel zu seinem Bruder Friedrich, “aber man muss auch beweisen können.” Nein, entgegnete jener; beweisen kann jeder; behaupten muss man können. 

*



Ob ich das auch beweisen kann?
 
Ich entsage dem Vergnügen, den Beweis zu versuchen, nur schweren Herzens, denn es wäre ein echtes Abenteuer geworden.
 
Ich fange die Frage vielmehr asketisch in einem Meta-Bereich ab und weise sie zurück: Ich war in der Vorhand, und ich habe geliefert. Jetzt sind die andern am Zug. Sie können entweder eine Erklärung vortragen, die meiner überlegen wäre, und ich müsste nachlegen. Oder sie könnten meine Erklärung widerlegen, dann müsste ich beschämt den Mund halten. Bloß eins können sie nicht: Auf einen unmotivierten Nachschlag von mir warten.
 
Ich bestehe auf Einhaltung der Reihenfolge. Eine ungesicherte Erklärung hat einen logisch höheren Rang als keine Erklärung. Sie hat Vorrang vor den faulen feilen Infragestellern.

•Mai 26, 2010




Nota - Obige Bilder gehören mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE

Donnerstag, 28. April 2016

Bedeutendes von Unbedeutendem unterscheiden.


Geist ist zu allererst das Vermögen, zwischen Bedeutendem und Unbedeutendem zu unterscheiden. Das Tier "kennt" diesen Unterschied nicht. Zwar bedeutet auch dem Tier dieses Etwas und Jenes nichts. Aber was ihm nichts bedeutet, nimmt es gar nicht erst 'wahr'. Das heißt, für es 'gibt es' diesen Unterschied nicht. Seine genetische Ausstattung hat "apriori" den Unterschied immer schon gemacht.

Nicht so für den Menschen. Er muss den Unterschied selber machen.

Es liegt nahe, dass ihm alles, was bleibt, zuerst einmal als bedeutender erscheint als alles, was sich ändert. Aber das kann sich... ändern. Es hängt davon ab, ob in seiner Erlebenswelt die sicheren Situationen vorherrschen oder die unsicheren; zum Beispiel.

aus e. Notizbuch, 28. 8. 08



Mittwoch, 27. April 2016

Weiß ich denn, was Wissen ist?


Ich kann keinem erklären, was Wissen ist, nicht einmal mir selbst. Aber ich weiß es: indem ich Etwas weiß.

aus e. Notizbuch, Anf. Mai 09


Wissen ist ein Handeln, keine Sache. Handelnd kann ich es anschauen, aber nicht begreifen. Begreifen kann ich das Produkt meines Handelns, weil es Nicht(mehr)Ich ist, sondern Objekt: Etwas.

Dez. 2014




Dienstag, 26. April 2016

Der Verruf der Rhetorik begann mit der Gutenberg-Revolution.


https://search.disconnect.me/image?l=aHR0cHM6Ly9lbmNyeXB0ZWQtdGJuMi5nc3RhdGljLmNvbS9pbWFnZXM/cT10Ym46QU5kOUdjVEtwVm9LcDdyU3MyVVUxTnJ3dk50NWp1cUxaSlFlQ25Id3YtVC1rT1EtbnZJU1lpQ3A=Cicero

Dem heutigen Leser ist es befremdlich, dass im antiken Bildungskanon Rhetorik gleichrangig neben Logik und Grammatik stand. Unter Rhetorik versteht er die Kunst, durch geschickte Wortwahl den Hörer für richtig halten zu machen, was falsch ist. Dabei war sie ursprünglich die Kunst, den Hörer genau das verstehen zu lassen, was der Redner gemeint hat; was ein gegebner Redner einem gegebnen Publikum zu verstehen geben wollte. Ihr Kriterium war gar nicht das an sich Richtige, sondern das, was das redende Subjekt gemeint hat.

Das war zu einer Zeit, als an etwas, das objektiver wäre, noch gar nicht zu denken war. Scriptura, "die Schrift", war eo ipso die Heilige: die Bibel gab es in Schriftform, es gab sie überall, wo eine Kirche stand, sie war überall dieselbe, aber nur die Priester der Römischen Kirche konnten sie entziffern und -
 nur sie konnten sie zur Hand nehmen. Allein sie war das Wort, war Maßstab der gesprochenen Wörter. 

Außerhalb der Gelehrtenrepublik und ihrer Korrespondenzen gab es nur das lebendige, das gesprochene Wort. Wie es gesprochen wurde war das aufgegebene und allgegenwärtige Problem. Maßstab war, ob es so verstanden wurde, wie es gemeint war. Die Idee, nach einem Objektivum zu suchen, konnte niemandem einfallen; es sei denn, man hätte einen hierarchisch Oberen herbeigerufen, der von Amts wegen der Wahrheit näher stand - doch auch der hätte sich mündlich mitteilen müssen: rhetorisch.

Am Anfang war das Wort, nämlich das gesprochene Wort. Die Niederschrift war nicht originär, sondern bloß eine Rückversicherung; denn das Gedächtnis kann irren.

Mit der Gutenberg-Revolution hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Was die Worte an sich bedeuten, ist festgehalten in der Schrift, und die ist öffentlich: jedermann zugänglich im gedruckten Buch (oder der Zeitung!), nicht nur dem zufälligen kleinen Kreis der Hörer hier und jetzt. Man wird darüber streiten können, auch noch in kommenden Generationen, man kann sich Zeit lassen und zum Vergleich andere Bücher heranziehen. 

Bedeutung ist nunmehr objektiv. Das geschriebene Wort ist den Umständen von Raum und Zeit entzogen und subjektive Unterschiede im Textverständnis lassen sich im Diskurs ausgleichen. Es kann sogar die Idee aufkommen, die Bedeutung der Wörter ließe sich ihrer alltäglichen Verwendung entziehen und auf einen 'analytisch' freizulegenden Atomkern reduzieren! Und was immer die Rhetorik diesem endgültig identifizierten Sinnkern hinzufügt, kann nur falsch sein. Am besten wäre es, man könnte die Schrift ihrerseits zu mathematischen Symbolen reduzieren...

All das ist eine Errungenschaft des Gutenberg'schen Zeitalters. Es ist die Dialektik der digitalen Revolution, dass sie mit der Zerlegung der Welt in I und 0 zugleich die analogen Bilder und die rhetorischen Blumen zu neuer Blüte treibt. Die Trivialisierung und Profanierung des Geschriebenen, das ursprünglich nur den Heiligen Worten zugedacht war, nährt den Verdacht, dass das, was zu sagen eigentlich wichtig wäre, doch nur in anschaulicher Weise gesagt werden kann.





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Sonntag, 24. April 2016

Transzendentalphilosophie handelt von Wirklichem.

Daniel Stricker, pixelio.de
 
"Glaubt der Mann, in Anthropologie und Humanbiologie Evidenzen für die Richtigkeit der Transzendental- philosophie zu finden?" schrieb einmal ein kritischer Geist. 

Der Mann war ich.

 Allerdings ist die Klärung des Verhältnisses von Wissenschaftslehre und Anthropologie mein treibendes Thema. Und natürlich, wie könnte es anders sein, geht es um das Ich. Das transzendentale oder absolute Ich – das gedachte Subjekt der Tathandlung – als positive Größe in die Anthropologie einbauen wollen wäre allerdings sinnlos; denn dann bliebe es nicht transzendental, und die ganze Übung wäre für die Katz.

Aber mit dem Ich 'als Idee' sieht es schon anders aus. Denn das stammt nicht aus der Transzendentalphilosophie, sondern aus der Realgeschichte der Mentalitäten. Es war da vor der Wissenschaftslehre. Es ist das autonome Subjekt der bürgerlichen Welt in idealer Gestalt. Genetisch geht die Wissenschaftslehre von der Tathandlung zum Ich als Idee. Aber historisch ist das Ich als Idee das Motiv der ganzen Transzendentalphilosophie. Die Wissen- schaftslehre "soll sein die pragmatische Geschichte des menschlichen Geistes" – nicht eine Nacherzählung, 'wie es gewesen ist', sondern eine Darstellung, aus der man etwas begreift; nämlich einen Sinn.

Die Frage nach dem Sinn stammt (logisch) allerdings aus der Anthropologie. Nicht Anthropologie und Human- medizin bieten Evidenzen für die Richtigkeit der Transzendentalphilosophie – richtig in Hinsicht worauf? , sondern die Transzendentalphilosophie gibt der Anthropologie den festen, weil kritisch bereinigten Boden, auf dem sie bauen kann.

Und ehrlich muss ich auch sagen anders wäre mir die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Transzendental- philosophie ganz gleichgültig.  

NB. Falls es jemand wissen will: Transzendentalphilosophie und Wissenschaftslehre bedeuten bei mir dasselbe.


2. November 2013

Samstag, 23. April 2016

Weltformel.




Die Suche nach der Weltformel ist die Suche nach dem intelligent design: Würde sie gefunden, drängte sich die Annahme auf, dass sie sich wer ausgedacht hat; ein Urheber.

Unser Vorstellungsvermögen hat sich darwinistisch-evolutiv in der natürlichen Mittelwelt durch trial and error ausgebildet, da, wo die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht und wo wir unsere Erfahrungen machen.* Den Vorgängen im Mikrokosmos ist es ebensowenig erwachsen wie denen im Makrokosmos. Für beide jenseits seines Horizonts gelegenen Welten kann der Verstand theoretische Modelle erfinden, die sich nachrechnen und experimentell prüfen lassen – Quantenmechanik und Relativitätstheorie. Aber vorstellen, was die Modelle beschreiben, können wir uns in unseren irdischen Köpfen nicht.

Dass Quantenmechanik und Relativitätstheorie einander streng genommen ausschließen, ist beruhigend für die Vernunft. Es bestätigt, dass wir mit unseren irdischen Vermögen getan haben, was wir konnten. Wo wir mit unserer Vorstellung nicht mehr hinlangen können, nach ganz weit oben und ganz weit unten, haben wir uns mit Begriffen ausgeholfen, die wir aus logischen Prämissen unsern Erkenntniszwecken gemäß konstruieren konnten. Dass dies oben und unten jeweils ganz andere Begriffe sein würden, war angesichts dieser Vorgehensweise zu erwarten. Ließen sich für beide Bereiche dieselben Begriffe finden, sollte uns das Blut in den Adern gefrieren: Wenn oben und unten dieselben Begriffe gälten, müssten sie dazwischen, in unserer mittleren Erfahrungswelt, ebenso gelten; ein einziges Naturgesetz von Anfang bis Ende. 

Und kein Gesetz ohne einen Gesetzgeber.
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*) Die Labore der Wissenschaftler liegen auch in diesem Zwischenreich.



27. August 2013







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