Sonntag, 22. Dezember 2013

Instinkt, Intuition, Urteil.

strichcode, pixelio.de

...Wenn ich aus Instinkt handle, urteile ich nicht. Ich folge auch keinem Zweck, jedenfalls keinem, den ich 'selbst gewählt' hätte. Aber mal ganz davon abgesehen - 'Instinkt' kommt in der gegenwärtigen Biologie nicht mehr vor. Sie haben nach ihm gesucht und nichts gefunden. Das Wort wurde in der Aufklärungszeit aufgebracht, und zwar, um zu erklären, was wohl den Tieren die fehlende Vernunft ersetzen mag. Und später wurde dann der Instinkt gebraucht, um aus der spezifischen "Instinktentbundenheit" des Menschen wiederum seine… Vernunft zu erklären!
 

Intuition ist ganz etwas anderes. Sie ist der Rohstoff der Vernunft. Es sind die anschaulichen, bildhaften Vorstellungen, aus denen das produktive Denken wirklich besteht. Tritt mit der Reflexion das Urteil hinzu, kann von Willen, Zwecken, Bewußtsein usw. gesprochen werden.  
 

Ich darf noch einmal darauf hinweisen, daß ich ausdrücklich auch die rein gedanklichen Zwecke (das können logische Zwecke, ästhetisch-moralische Absichten und ideale Ziele sein) mit in den Kreis des Pragmatischen einbezogen habe. Von Nutzen, Vorteil und "Erfolg" ist daher an dieser Stelle noch gar nicht zu reden. Das ist nur die allerflachste Art von Zwecken; für die in der Tat das, was Du Deinen "Instinkt" nennst, oft genug ausreicht. Ich wollte aber gerade und ganz besonders über das Andre reden.

Fast hätt' ich es vergessen... Natürlich ist ein Urteil als logische Operation immer die Handlung eines Subjekts. Aber gerade als logische Operation beansprucht es eo ipso Objektivität, nämlich indem es sich auf Gründe stützt, die ihrerseits als "wahr" und gültig vorausgesetzt wurden, und zwar unabhängig davon, ob sie faktisch von irgendwem eingesehen werden. Ob diese Voraussetzung zutrifft, kann überprüft werden, und diese Überprüfung heißt Kritik. Kritizität ist das Unterscheidungsmerkmal der Wissenschaften gegenüber allen andern Formen des Meinens und Dafürhaltens.
 

Das eigentliche Problem ist, dass dieser kritische Rückgang auf die (immer weiter zurück liegenden) Gründe nie ein Ende findet. Denn als "wahr" und gültig können wir nur das anerkennen, das zureichend begründet ist: auf Gründen, die ihrerseits... usw.. Will sagen: dass man auf diesem Weg nie und nimmer einen Grund findet! Das ist das Paradox bei der Wahrheit. Jedenfalls, solange man die Suche nach ihr als eine theoretische Aufgabe betrachtet. 
...

aus e. online-Forum, in 2007 


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