Donnerstag, 10. November 2016

Leibniz.




Zum 300. Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz am kommenden Montag brigt die Wiener Presse heute einen langen Beitrag zu dessen Bedeutung als letzter Universalgelehrter.

Das war mir Anlass, besonders an Leibniz als Philosophen zu erinnern:

 
Leibniz wird bis heute von Mathematikern und Physikern als einer ihrer Ahnherren reklamiert. Für den Philosophen Leibniz ist das ein Pech, denn der geriet dadurch beim großen Publikum in Vergessenheit. Seine Bedeutung für die Philosophie ist aber kaum zu überschätzen. Das rationalistische metaphysische System, das Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft zu Fall brachte, stammte im Wesentlichen von ihm.

Es ging aber nicht, wie die seitherige Philosophiegeschichte vermuten lässt, auf den Ideenrealismus Platos zurück, sondern in Gestalt der Leibniz'schen Monaden auf die (eigentlich animistische) Vorstellung von der Entelechie, die Aristoteles formuliert hatte. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Die scholastischen Nominal isten, die als die Begründer des neuzeitlichen Denkens gelten können, waren Anhänger des Aristoteles und entschie- dene Gegner Platos. Auf sie beriefen sich aber nicht nur Leibniz und seine Epigonen Wolff und Baumgar- ten, sondern auch... alle Materialisten!

Und während die Spuren, die Platos Ideen immer wieder im Denken auch gegenwärtiger Philosophierer hinter- lassen, ohne weiteres auf den ersten Blick zu erkennen und kenntlich zu machen sind, treiben die Entelechien im (monado-) Logischen Atomismus der gegenwärtigen Analytischen Philosophie unerkannt und ungerügt ihr fröh- liches Unwesen, bloß weil... Leibniz als Philosoph in Vergessenheit geraten ist. 

Dem wäre abzuhelfen.



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