Montag, 4. Juni 2018

Das Qualitative lässt sich weder erkennen noch mitteilen.


Was "die Sache selber" ist, lässt sich nicht beschreiben, sondern nur zeigen. Beschreiben lassen sich nicht die Dinge, sondern nur ihre Verhältnisse; nämlich wie sie sich zu andern Dingen - die man 'als solche' Auch nicht beschreiben kann - verhalten. 

Es sieht anders aus, wenn das Ding im Grunde nicht "es selbst", sondern aus so und soviel Bestandteilen zu- sammengesetzt ist. Dann kann man berichten, wie sie sich zueinander, untereinander "verhalten", und das heißt Analyse. Doch wenn immer man zu dem Ergebnis kommt, dass "das Ganze" doch mehr sein soll als nur die Summe seiner Teile, steht man schon wieder von dem Dilemma, nicht sagen zu können, "was" dieses Mehr sei - ohne es gleich wieder auf Anderes beziehen und so seinerseits wie ein "Teil" darstellen zu müssen, das nicht an sich selber, nur um seiner selbst willen "da" und "so" ist, sondern durch die und wegen der Andern. 

Das ist nämlich das Paradox an der Idee vom rein-Qualitativen: dass es als Absolutum vorgestellt werden muss, als μὁνας, individuum, das sehr gut auch ganz allein "an und für sich" sein könnte (wobei da-sein schon zu viel gesagt wäre); dass es aber doch nur vorgestellt werden soll. Also durch Zeichen, die ich schon kenne, während doch das so als reines Selbst vorgestellte Quale mir schlechterdings nicht bekannt sein kann - wenn es denn ein solches ist.

Entweder ich kann es auflösen in Elemente, die ich mir allbereits zueigen gemacht habe; dann ist es kein Quale. Oder es ist ein Quale - dann kann ich es nicht in Bekanntes zerlegen. Ich muss es in toto "wahrnehmen", nicht begreifen - einen Schritt nach dem andern, eine Bestimmung auf die andere setzend, zerlegen und wieder zu- sammensetzen, diskursiv; sondern "anschauen", intuieren, "hineinsehen", "hineintreten".

Das so Gesehene lässt sich freilich nicht so, wie es "erscheint", mit-teilen, es lässt sich gar nicht teilen. sondern immer nur zeigen - per analogiam.

aus e. Notizbuch, 27. 10. 1995


Nachtrag. 'Die Dinge selber' verhalten sich natürlich nicht; sie sind und basta. Gemeint ist: das Verhältnis, in die ich sie - weil ich es will und weil sie sind, was und wie sie sind - setzen kann. Verhältnisse werden bezeichnet von Begriffen; Begriffe sind die eingefrorenen Anschauungen von lebendigen Handlungen. Anschauung unter Ab- sehung von allem Verhältnismäßigen (allem Begreiflichen) ist die Modalität des Ästhetischen.

Ach, und muss ich es noch hinzufügen? Natürlich ist es nicht unerkenn- und unmitteilbar, weil es qualitativ ist, sondern weil es weder erkenn- noch mitteilbar ist, nennen wir es qualitativ.

22. 3. 17 

 





Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

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