Montag, 7. April 2014

In eigner Sache.

                   
Disput der Philosophen; Jusepe de Ribera zugeschrieben
 
Das Internet hat nicht nur den Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten erweitert, sondern auch den Zugang zur wissenschaftlichen Produktion selbst. 

Zweihundert Jahre lang wurde Wissenschaft fortschreitend auf den institutionellen Rahmen des Universitäts- betriebs verengt – darauf, dass sie berufsmäßig und in Erwerbsabsicht betrieben wurde. Das hat nicht nur personell, sondern auch thematisch ihre Freiheit eingeschränkt. Das Internet weitet den Rahmen wissenschaftlicher Tätigkeit nicht nur institutionell, sondern auch personell - und befreit schließlich auch die Formen ihrer literarischen Produktion. Neben dem akademischen Betrieb findet nun auch der Privatgelehrte wieder Platz, und neben der Abhandlung finden Essay und Aphorismus in die Wissenschaft zurück. 

Eine weitere Einengung hat die Freiheit der Wissenschaft erfahren durch die Bindung des Veröffentlichungswesens an die Verwertungsbedingungen der Druckerpresse. Nur was gedruckt war, gelangte an die Öffentlichkeit, die die Bedingung der Wissenschaft ist. Aber nur, was sich rechnet, kann gedruckt werden. Im Internet ist das nicht mehr so. Es ist von marktgängiger Nachfrage frei. 

Zwar hat das Internet in den wenigen Jahren seines Bestehens seine eigenen Gesetze ausgebildet, doch ob sie die Wissenschaft ihrerseits einschränken, muss sich erst zeigen. Einstweilen erweitern sie noch ihren Radius. 

Im Internet findet alles seinen Platz. Aber wer nicht schon vorher weiß, was genau er sucht, der findet nichts. Das Internet kennt keine Hierarchie, eines steht gleichberechtigt neben dem andern. Was Beachtung finden will, muss Aufmerksamkeit erregen. Das könnte auf die Dauer eine Gefahr sein – aber zugleich erweitert das Internet die Möglichkeiten der Kritik, sodass sich die Gefahr in Grenzen halten lässt. 

Es reicht nicht aus, durch einen sprechenden Titel die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung im Internet muss den Leser auch optisch ansprechen. 

Darum braucht sie Bilder. 

Indes, wie die Rückkehr von Essay und Aphorismus ist auch das eine Ausweitung und keine Einengung wissenschaftlicher Produktion. An Stelle hölzern abstrakten Räsonnierens  ist das wissenschaftliche Schreiben aufgefordert, zur Anschaulichkeit zurück zu finden. Das tut nicht nur der Stellung der Wissenschaft in der Welt gut, sondern vor allem ihr selber.

Das gilt zwar alles nicht für die kostspieligen Naturwissenschaften und ihre Labors, sondern nur für die pp. Geisteswissenschaften. Aber die haben es auch nötiger - schon weil sie von amtswegen zum Korrektiv der Naturwissenschaft berufen sind.

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Wer ein Blog betreibt, muss damit rechnen, dass ein Gutteil seiner Besucher durch Zufall oder selbst durch ein Missverstännis zu ihm findet. In meinem Fall: ohne ein eigentlich philosophisches Interesse. Sobald sie den Irrtum bemerken, klicken sie weiter. Aber ich nehme an und hoffe sogar, dass ein Teil - und wenn es nur zwei, drei, viere sind - überrascht ist und mehr wissen will. Wenn so der eine oder andere, und wenn es nur zwei, drei, viere wären, unverhofft einen Einstieg ins philosophische Denken findet, wiegt das schwer genug, um in der Form der Darstellung darauf Rücksicht zu nehmen. 

Mancher Leser mag sich am stellenweise elementaren und didaktischen Tonfall meiner Einträge gestoßen haben. Ich versuche, wo immer es möglich ist, so zu schreiben, dass auch ein Neuling immerhin verstehen kann, worum es geht, und ihm einen Weg zu zeigen, wo er weitersuchen kann. Und das nicht nur aus Altruismus, sondern im eignen Interesse. Denn dem philosophischen Denken tut es gut, sich selbst immer wieder an die gedanklichen Voraussetzungen zu erinnern, von denen es ausgegangen ist. Und auch dem philosophisch vorgebildeten Besucher tut es gut. 

Nehmen Sie also meine gelegentlich primären Ausführungen bitte billigend in Kauf.
 
Dienstag, 21. Februar 2012  

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