Montag, 8. Februar 2016

Der Begriff ist ein Denkzeug.



Bei Hegel ist der Begriff selber Agens, er prozessiert und progrediert aus eigenem Vermögen. Denn er ist eine Entäußerung der Idee, an deren Subjektität er teilhat, und die wirklich denkenden Individuen sind deren Agen-ten, durch die sie gleichsam 'hindurchgeht'. 

Fichte ist strikter Nominalist. Bei ihm sind die Begriffe lediglich (eingefrorene) Vorstellungen, die ein wirklich Denkender sich macht oder nicht. Wenn er nicht handelt, passiert gar nichts, und der Begriff – wenn ein unbe-teiligter Zuschauer ihn hätte – wäre eine leere Hülse, eine Hülse von Nichts, und das ist nichts.

Der Begriff ist ein Denkmittel, das so viel taugt wie das, was man mit ihm anfängt.


Samstag, 6. Februar 2016

Der Begriff ist...

birgitH  / pixelio.de

 zum einen: Mittel der Kritik. Das Menschenleben ist am besten anschaulich, d.h. in bildhaften Ausdrücken darzustellen, jedenfalls in seiner 'Gänze'. Denn als Ganzes ist und bleibt es ein Rätsel. Einzelne 'Seiten' lassen sich herausgreifen, isolieren, de-finieren, in pragmatischer Absicht, nicht als positive Erkenntnis. Aber die bildhafte Darstellung läuft schnell aus dem Ruder. Der Begriff ist ein Mittel der Kontrolle. Durchleuchtet die Bilder.

Ständige Versuchung des abendländischen Denkens: das kritische Potential des Begriffs ins Positive zu wenden und aus dem Begriff die ganze Welt zu re-konstruieren: die 'Metaphysik' im engeren Sinn.

 zum andern: Der Begriff erlaubt, 'Elemente' aus dem Fluss des Erlebens herauszuheben, isolieren, de-finieren usw; und erst das 'begrenzte', 'bestimmte' usw. Phänomen lässt sich messen! Die Zerglie-derung bzw. Er-Fassung der Welt in Begriffe dient ihrer Messbarkeit und ergo Berechenbarkeit. Das Begreifen ist die operative Voraussetzung der Digitalisierung des Denkens und für das Kalkulieren der Welt. Dies zusammen mit der der metaphysischen Versuchung des abendländischen Geistes ergriff die rationalistische Metaphysik; Descartes, Spinoza, Leibniz. 

Deren scheinbare Vollendung: Fichte. Aber er fasst nicht die Welt ins begriffliche System, sondern das Bild der Welt. Und insofern ist sein 'System' Kritik, s. o.

aus e. Notizbuch, ca. 2002





Freitag, 5. Februar 2016

Querdenken.



Querdenken ist keine Tugend. Am besten denkt man doch immer noch geradeaus, solange es geht, dann kann man auch stets überblicken, woher man kommt; denn wie sollte man sonst wissen, wo man ist?

Manchmal gerät man in ein Gestrüpp, da muss man wohl auch mal um die Ecke denken. Doch wenn der Knoten zu dicht wird, braucht man ein Alexanderschwert.

Dann gehts weiter gradaus.


30. August 2014





Donnerstag, 4. Februar 2016

Das Problem in ein Postulat verwandeln.

Karl-Heinz Laube, pixelio.de  

Die größte Kunst im Lehr- und Weltleben besteht darin, ein Problem in ein Postulat zu verwandeln, damit kommt man durch.  
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Goethe an Zelter, 9. 8. 1828 



Mittwoch, 3. Februar 2016

Der Vernunftzweck.

zoom, pixelio.de

 ...Übereinstimmung, der große Zweck der Vernunft... 
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J. G. Fichte in: Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 136] 


I. Vernunft ist nicht an sich, sondern sie dient einem Zweck. Für diesen Zweck ist sie in die Welt gekommen und nur für den ist sie da. 

II. Mit andern Worten: Vernunft ist immer da an ihrem Platz, wo Übereinstimmung angebracht ist. Alles ande-re liegt nicht in ihrem Zweck. 

III. Im sittlichen Bereich ist Übereinstimmung nicht nötig. Das Sittengesetz lautet: Tu das, was dein Gewissen dir gebietet, oder, mit andern Worten: Handle aus Freiheit. Aus Freiheit kann ich nicht handeln, wenn ich zu-erst frage, was den andern ihr Gewissen gebiete, und mich mit ihnen darüber ins Benehmen setze. Es kommt auch gar nicht darauf an, ob es dasselbe gebietet, sondern darauf, dass es das Gewissen ist, das gebietet.

IV. Übereinstimmen müssen wir nicht über Gott und die Welt. Es reicht, wenn wir in dem Teil der Welt, in dem wir miteinander verkehren, übereinstimmen über die Angelegenheiten des Teils der Welt, in dem wir miteinander verkehren. Übereinstimmen müssen wir nicht über Gott und nicht über jenen Teil der Welt, in dem ein jeder von uns nur für sich ist.  

Bedenkend immer: Die Welt ist keine Gegend, sondern lediglich ihr Horizont.




Montag, 1. Februar 2016

Vernünftig ist eine Intelligenz, die...


Vernunft nennen wir nun diejenige Intelligenz, die nicht nur die Wirkzusammenhänge der Dinge in Hinblick auf unsere Zwecke beurteilt, sondern die Zwecke selbst. Eine Intelligenz, die sich als einem Maß unterworfen vorstellt. Vernünftig nennen wir ein Handeln, das seine Zwecke als einer obersten Instanz, als einem Zweck der Zwecke verantwortlich erachtet. Dies genetisch herzuleiten aus dem idealen Ursprung der Vernunft selbst, jener Tathandlung, in der sich das Ich als frei setzt, ist wiederum Sache der Transzendentalphilosophie. Die Fiktion eines obersten Zwecks – verum, bonum, pulchrum – ist eine ästhetische Idee. Sie ist nicht bedingt, sondern durch Freiheit möglich. Und recht besehen, ist am äußersten Ende der Vernunft nur sie noch durch Freiheit möglich.

aus Mein System







Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Ist das Absolute nur eine Flause?


Gedankending atheistbible

Dass dem Absoluten wie dem Wahren überall mit Skepsis begegnet wird und man es vorsorglich, um ihm ja nicht auf den Leim zu gehen, mit Hohn und Spott überzieht, ist wohl verständlich, es hat schon zuviel Schaden angerichtet. Doch verdankt sich die heilige Scheu ebendemselben metaphysischen Pferdefuß wie die vormalige Vergötzung.

Es liegt doch auf der Hand, dass das Absolute (wie das Wahre) nur ein Gedankending sein kann, das auf Wirk-lichkeit keinen Anspruch erhebt. Wirklich sind Dinge in Raum und Zeit, sie sind erfahrbar, denn sie leisten meinen Absichten ganz eigensinnige Widerstände. Das tun Gedankendinge nicht. Weder sind sie erfahrbar noch leisten sie Widerstand. Nur darum, ganz allein darum können sie absolut sein und nicht bloß relativ: nicht im Verhältnis stehen zu irgendetwas außer ihnen. Sie können nur vorgestellt, aber nicht gedacht, nicht in einen Be-griff gefasst werden – denn das hieße, sie zu andern Begriffen ins Verhältnis setzen.

Gedankendinge können nicht sein, sondern lediglich gedacht werden derart, dass sie in Urteilen 'Gebrauch' finden. Ob, wann und in welcher Hinsicht sie gebraucht werden sollen, zeigen sie selber nicht an, es ist kein 'Merkmal' an ihnen. Es ist selber Sache eines Urteils, und das ist in jedem Fall wirklich, aber es ist wahr oder unwahr, und das ist wiederum Sache eines Urteils, und so weiter. Aus dem Denken kommen wir so nie heraus und in die Wirklichkeit hinein. Das geschieht immer erst, wenn ich meinem Urteil gemäß zu handeln beginne, denn das geschieht nur in der Wirklichkeit. Oder auch: Nur Handeln ist wirklich. Gedankendinge werden nur vorgestellt, und das ist unabhängig davon, ob ich mir einen Begriff davon machen kann.

Man kann daher sagen, das Wahre und das Absolute (das Wahre ist das absolut Geltende) seien begriffslose Phantasiegebilde. Doch liegen sie als Vorstellung einem jeden Urteil zu Grunde, denn es wäre keins, wenn es nicht Anspruch auf Wahrheit und Teilhabe am absolut Geltenden erhöbe. Wer darüber lacht, lacht über sich und die ganze Welt. Denn Eure nur relativen Wahrheiten sind relativ zur ganzen Wahrheit, und ohne dies wären sie gar nicht.