Sonntag, 28. Juni 2015

Unsere Welt und die meine.

Planetary nebula M2-9 Die Formel e=mc2 gehört zu Unserer Welt par excellence. Daher ist sie 'an sich' jedermanns Intelligenz zugänglich. Tatsächlich ist sie nur wissenschaftlich ausgebildeten Intelligenzen zugänglich, und wird es immer bleiben. 


Den Satz 'ich liebe dich' versteht  jeder, der weiß, was er bedeutet, aber einem Andern, der es nicht weiß, kann er es nicht mitteilen. Denn er ist aus Meiner Welt und wird ewig dort bleiben. 






Die Welt ist ein Geistesprodukt; darum zerfällt sie in zwei Sphären.


Geist nennen wir den Umstand, dass wir die Dinge nicht als solche wahrnehmen, sondern immer schon in ihrer Bedeutung. Auch die Tiere leben nicht zwischen lauter Dingen, sondern in einem Raum vollerBedeutungen. Doch sind ihnen diese durch ihre Umwelten vor-gegeben. Der Mensch hat seine geschlossene Umwelt zugunsten einer offenen Welt verlassen, in die er Bedeutungen erst hinein-erfinden musste. Geist ist die Kompensation dieses Verlustes.

Da wir in dieser unseren Welt - gleiche oder konkurrierende - Zwecke verfolgen, müssen wir uns verständigen. Darum haben wir unsere shared significations in einem "Symbolnetz" festgehalten. Aber in meiner eigenen Welt kenne ich Bedeutungen, die ich nicht teilen muss. Der reelle Ursprung Unserer Welt ist Meine Welt; der logische Ursprung Meiner Welt ist Unsere Welt - soweit unsere Begriffe reichen. Darunter beginnt das Feld der Transzendentalphilosophie. Es ist das Reich der produktiven Einbildungskraft.

aus e. Notizbuch, 20. 5. 07


*) Im Wortsinne ist er voll von Bedeutungen, es ist keine Stelle leer! Was immer das Tier in seiner Umwelt antrifft, hat für es eine Bedeutung; denn was keine solche hat, 'begegnet' ihm vielleicht, aber das merkt es nicht.

im Dez. 14



                                 aus Die Wendeltreppe  

Alles, was als Tatsache in unserer Welt vorkommt, lässt sich auch bestimmen; nämlich in das allgemeine Bedeutungsgeflecht einpassen, wo Jedem seine Bedeutung durch die Bedeutung aller Andern zugewiesen wird. Reflektieren heißt nichts anderes als: seinen Platz im großen Verweisungszusammenhang aufsuchen. 

Was bestimmt ist, kann Bestandteil einer Wissenschaft werden – weil sich sein logischer Zusammenhang demonstrieren und Einverständnis erzwingen lässt. Was demonstriert werden kann, lässt sich erlernen. Was dagegen ‘durch meine Freiheit möglich’ wurde, läßt sich eo ipso nicht bestimmen. Es liegt allein in meiner Welt. Ich kann es nicht erlernen, sondern muss es erfinden und mir ein-bilden. Einverständnis der andernkann ich nicht erzwingen, sondern höchstens ihren Beifall heischen: sie animieren, meine ‘Anschauung’ nach-zu-erfinden. 

Das Nacherfinden kann nicht gelehrt werden: dazu muss man verführen, und das ist Kunst. Gegenstand von Wissenschaft kann es nur idiographisch werden: kritisch und historisch. 

Erziehen heißt nun, einem Menschen die Dinge zeigen und die Symbole, die ihm die Welt bedeuten. Doch haben die in den Symbolen aufbewahrten Bedeutungen einen andern Realitätsgrad als die Dinge. Sie ’sind’ ja nur, sofern ich sie gelten lasse. Denn der Mensch ist das Tier, das nein sagen kann (Max Scheler); auch dazu: den Meinungen der Andern. Fragen können heißt, ja oder nein sagen können. 

‘Die Welt’ wird zwar überliefert, aber seine Welt bildet sich jeder selbst.

Meiner Welt liegt unsere Welt gewissermaßen zu Grunde. Und unserer Welt liegt meine Welt zu Grunde. Das einemal kategorisch, das andermal genetisch. Dass ich überhaupt darauf komme, die Daten, die mir meine Sinne melden, zu einer “Welt” zu konstruieren, liegt allein daran, dass ich in die Welt der Andern hineingeboren bin.

Und dass ich vor diesem Horizont meine Welt konstruiere, liegt daran, dass es meine Sinne sind, die mir ‘Daten’ gemeldet haben, und dass ich sie zu einander fügen muss. Dass ich meine Welt konstruieren muss, liegt an den Andern. Dass es diese Welt sein wird, liegt… an meinen Sinnes-Daten, die dadurch, dass ich eine Welt aus ihnen baue, zu meinen überhaupt erst werden! 

“Ich” konstruiere eine Welt. Es wird meine Welt sein: Darum bin ich Ich. Und in dem Maße, wie ich hernach meine Welt mit der Welt der Andern ins Benehmen setze, werde ich Verstand beweisen, Ernst des Lebens, Sozialkompetenz und so weiter. Wie weit ich die eine von der andern durchdringen lasse, entscheidet darüber, wohin ich mein Leben führen kann und wo ich scheitern muß.

X. Es fällt schwer, eine Welt anders als in räumlichen Metaphern zu beschreiben - so als ob sie nur eine erweiterte Nische wäre. Aber der Unterschied zwischen der Welt und einer Umwelt ist kein topischer, sondern ein dimensionaler. Ebenso der zwischen meiner Welt und unserer Welt. 

Unsere Welt besteht aus allem, was symbolisiert ist. Als solche ist sie aber nur virtuell, "auf Abruf": Nur wenn die Symbole durch Verstehen aktualisiert werden, "ist" unsere Welt.46 Theoretisch könnte unsere Welt restlos in der meinen aufgehen, praktisch kann sie es nicht, und zwar grundsätzlich. Unsere Welt, in der Wasser trinkbar ist und man damit Kaffee kocht, ist einigen Milliarden Menschen zugänglich. Unsere Welt, in der Wasser durch H2O symbolisiert ist, steht nur noch einigen hundert Millionen offen. Die Wissenschaften, unsere Welt par excellence, sind in ihren jeweiligen Spitzen gerade einer Handvoll Leute zugänglich, die ihr ganzes Leben darauf verwendet haben - jeder auf die seine. Weil meine Lebenszeit begrenzt ist,47 kann die ganze Wissenschaft in meiner Welt grundsätzlich nur als Erzählung vorkommen.48

 Meine Welt "ist" auch in unserer Welt. Zum Beispiel ist die Welt eine ganz und gar andere, je nachdem, ob der-die-das Geliebte darin vorkommt oder nicht. Für unsere Welt macht das keinen Unterschied - nämlich nicht für die andern. Aber für mich macht das gerade in unserer Welt den entscheidenden Unterschied, weil ich nur dort auch in seiner Welt bin. Doch kann meine Welt, so wahr sie meine ist, auch theoretisch nicht restlos in unserer Welt aufgehen, das ist der springende Punkt, denn darum bin ich Ich. Das ist keine Sache der Tiefenpsychologie: dort kann es Erfahrungen geben, sogar (wenn auch nicht eindeutig) mitteilbare.49Keine Erfahrung kann ich haben von meinem Denken, bevor ich es durch Symbolisieren festgestellt habe. Ich kann nur rekonstruieren, "wie es gewesen sein muß", indem ich es so beschreibe, wie es gewesen wäre, wenn es in unserer Welt stattgefunden hätte, als Schema. Das ist Transzendentalphilosophie. Kein Tatsachenerweis, sondern eine Sinnbehauptung. Ein endgültiger und "letzter Mythos" - die "Geschichte, die von dem spielenden oder abenteuernden oder bildnernden Ursubjekt handelt".50 

46 Die Kunst ist in unserer Welt, muß aber nicht verstanden werden. Der andere Grenzfall ist das Internet. 
47 Von meinem Verstand rede ich nicht.
48 Kann es eine "Privatsprache" geben - ein privates Symbolsystem, das ‚die Welt bedeutet’? Über unsere Welt muß ich mich mit mir nicht verständigen, sondern mit Anderen. Und meine Welt muß niemand verstehen. 
49 Eine bekannte tiefenpsychologische Richtung will das Unbewußte als Gegenstand naturwissenschaftlicher Analyse zum Bestandteil unserer Welt machen; aber nicht so ganz: Sie schiebt als Bedingung eine persönliche Initiation dazwischen.

50 Hans Blumenberg, Arbeit am Mythos, Ffm. 1999, S. 295f.

Je allgemeiner die ‚Welt’, von der die Rede ist, umso unspezifischer die Tätigkeit des Zeigens: Typischerweise bezeichnet dieses Bild in seiner Allgemeinheit das Verhältnis zwischen einem Erwachsenen und einem Kind.

Man kann ‚die Welt’ von einem partikularen Standpunkt aus ansehen. Je partikularer die ‚Welt’, von der die Rede ist, umso spezifischer der Akt des Zeigens. Die ‚Welt des Soldaten’ ist zwar eine besondere Welt, aber sie ist ‚allgemein’, weil ‚Soldatsein’ keine besondere Verrichtung, sondern eine besondere ‚Seinsweise’ ist; Soldat ist man auch nach Feierabend. Das ist nicht Einweisung in Strategie und Taktik, nicht Waffenkunde, nicht dies oder das, sondern ein ‚ganzes Universum’, wenn auch ein besonderes. 

„Pädagogik“ heißt hier ‚Menschenführung’, hat aber mit Kindern nichts mehr zu tun und sollte Andragogik heißen. Die ‚Welt der Physik’ ist dagegen kein Universum, sondern nur ein Ausschnitt: aus der ‚Welt der Wissenschaft’, gar nur der ‚Welt der (‚exakten’) Naturwissenschaften’. Diese hochspezialisierte Welt einem Neuling zeigen ist eine höchst spezifische Tätigkeit, die man von Rechts wegen Lehre nennt. Erst hier gilt: ‚Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meiner Welt’.

Je allgemeiner die Welt, um die es geht, umso eher ist von Bildung -, je spezifischer die Welt, umso richtiger ist von Lernen die Rede. Merke: Die allgemeinste Welt – die, die den Meisten zugänglich ist – ist die natürliche Welt der natürlichen Sprachen; die Welt, in denen nur Kinder ‚neu’ sind.

Alle Kinder werden irgendwie heranwachsen; dazu brauchen sie keine Professionellen. Professionelle braucht es, um ihnen das „Symbolnetz“ zu überliefern, in dem unsere ganze Welt dargestellt ist: weil das Allgemeinwissen der Menschheit so umfangreich und dabei so komplex geworden ist, daß es nicht mehr einfach in jedenkinds Alltag „vorkommt“ und man einfach nur, jeder an seiner Statt, dort hineinwachsen müßte, learning by doing. Ihre Mitteilung bedarf einer reservierten Zeit außerhalb der Alltagsgeschäfte und einer speziellen Methode, denn natürlich kann nicht jedem alles und schon gar nicht alles zugleich überliefert werden. 

Aber die Schule privilegierte jene ‚Symbolnetze’, die sich zu diskursiver Verknüpfung eignen. Das war mit dem Schlagwort der ‚Verwissenschaftlichung’ gemeint, das den pädagogsichen Diskurs seit den sechziger Jahren prägte. Verwissenschaftlichung bezieht sich per Definition auf den Bereich des sogenannten ‚Herrschafts- wissens’. Anderes fällt nicht in ihren Bereich. Daß seither ‚Lernen’ zum Schlüsselbegriff  staatlicher Pädagogik wurde und ‚Bildung’ wie ein Zopf abgeschnitten wurde, ist nur folgerichtig. Quod erat demonstrandum: Das gegenwärtige Schulsystem ist entstanden und behauptet sich als ein Produkt und eine Bedindung der industri- ellen Arbeitsteilung. Aber die Arbeitsgesellschaft und ihre Industrie sind am Vergehen.





 


Habe ich den Wald vor Bäumen nicht gesehen? Ist es trivialer, als ich dachte? Wollte er mit der Einführung derBegierde nur dem Umstand Rechnung tragen, dass das 'endliche' Vernunftwesen eben nicht nur vernünftig ist, sondern auch leidenschaftlich? Dass es Neigungen, Vorlieben und Begehrlichkeiten kennt, von denen die Vernunft nichts weiß? Kurz, dass die Vernünftigkeit der Menschen nicht nur endlich, sondern sogar begrenzt ist, dass sie zu Unserer Welt gehört und in der Meinen schlicht und einfach nichts zu sagen weiß?

In ästhetischen Angelegenheiten wie in allen Geschmacksdingen ist für Vernunfturteile kein Platz. So auch nicht in moralischen, denn Moralität ist nichts als "sittlicher Geschmack", wie Herbart* treffend formulierte. (Und übrigens auch nicht in erotischen). Ein Feld der Vernunft ist allerdings das Recht, und auch die Gerech- tigkeit ist nicht bloß Privatsache...

Die scheinbar harmlose Rede von den 'endlichen' Vernunftwesen ist aber tückisch. Es ist richtig, dass es keinen logisch hinreichenden Grund gibt, ein unendliches Vernunftwesen für unmöglich zu halten. Es reicht aber, wenn das einmal gesagt wird. Die ständige Wiederholung lässt indes die Nichtunmöglichkeit wie eine Wahr- scheinlichkeit oder gar eine Denknotwendigkeit erscheinen. Und da mag man heimlich im Hinterkopf mit der Idee einer unendlichen Vernunft spielen. Nicht "frag dich, was würde Jesus tun", sondern frag dich, wie würde eine unendliche Vernunft an deiner Stelle urteilen? Und plötzlich hat die Vernunft (im Hinterkopf) keine Grenze mehr: Was ich - ohne den Richtspruch der Vernunft einzuholen - darf, erscheint nun als das, was sie lediglich (noch?) nicht verboten hat.

- Das sind nun Mutmaßungen, die am Buchstaben des Textes nicht nachzuweisen sind. Aber aus der Luft gegriffen sind sie nicht. Tatsächlich geht Fichte von der Allzuständigkeit der Vernunft aus, oder richtiger: gehtauf sie aus. Dass aus dem Totalitarismus des Vernunftzwecks durch eine Art logischer Rückkoppelung ein Totalitarismus des Vernunftgrundes wird, liegt nahe. Es wäre eine dogmatische Wendung des Transzendental- philosophen, doch die sollte Fichte schon kurze Zeit nach Abschluss der Wissenschaftslehre nova methodo aus- drücklich vollziehen.

*

Von einer unendlichen Vernunft kann ein endlich Vernünftiger nichts wissen - und folglich nicht vernünftig darüber nachdenken. Die 'endliche' Vernunft ist jedenfalls eine begrenzte, nämlich in ihrer Zuständigkeit. Ihr Reich ist Unsere Welt, und Unsere Welt ist das Reich der Vernunft. Das Reich der Geschmäcker ist ihr nicht zugänglich.

Das heißt nun nicht, dass Unsere Welt ein Reich des größten Nutzens für die größte Zahl wäre. Wenn wir zwar einander nicht auf das Schöne und das Gute verpflichtet sind, so doch auf das Wahre. Dieses ist zwar selber eine Geschmackssache. Aber die darf ich jedem zumuten, der mit mir in einer Welt leben will: Sie hält mir beide Welten zusammen.

*

Die Unterscheidung von unserer und meiner Welt gehört zur Transzendentalphilosophie, als ihre Grenze.

*) in Allgemeine praktische Philosophie (1808) in: SW Bd. 8, Hamburg 1890, S. 29 





Meine Welt gehört selber in die Transzendentalphilosophie.


Unlängst schrieb ich, die Unterscheidung von meiner Welt und unserer Welt gehöre zur Transzendentalphilosophie als ihre Grenze.

Das war ebenso zaghaft wie voreilig. Meine Welt gehört selber und ganz und gar in die Transzendentalphilosophie.

*

Das von der Einbildungskraft Hervorgebrachte, von der Vorstellung Angeschaute, im Begriff Gemeinte ist Bild.

Als Bild ist es nicht von unserer Welt. An ihm werde ich nicht wir-Vernunftwesen, sondern Ich. Das ist meine Welt. Vernunft und unsere Welt beginnen da, wo das Gemeinte vergemeinschaftet, nämlich mitgeteilt werden kann. Das kann erst im Begriff geschehen. Im Begriff im weitesten Sinn, von System und systematischer Verortung ist noch nicht die Rede, aber von Symbolisierung immerhin.

Das Symbol ist selber 'auch ein Bild', aber das Bild von einem Bild; ein vorgegebenes Schema, das der Meinende nach einvernehmlichem Verfahren zu füllen hat – mit dem nun mutmaßlich miteinander-geteilten Bild. Wenn ich sage rot, darf ich annehmen, dass mein Zuhörer dieselbe Vorstellung in sich hervorbringt, die ich hervorgebracht habe, als ich rot dachte. Annehmen darf ich es, weil die Erfahrung lehrt, dass wir uns auch sonst verständigen können; warum also nicht dieses Mal? Aber ob oder ob nicht, kann ich nicht wissen, und den andern zum richtig-Vorstellen zwingen kann ich schon gar nicht; denn ich kann es ja nicht überprüfen.

Einbilden, anschauen und vorstellen liegen in meiner Welt. Unsere Welt beginnt erst bei den Begriffen. Dass sie in der Sprache der Begriffe zu mir reden, macht die 'Aufforderung' der 'vernünftigen Wesen' aus, die mich allein erst zur Vernünftigkeit veranlasst. Denn wozu könnte ich sie ohne jene gebrauchen?





Was uns der Irrsinn über den Sinn lehrt.

sternenstauner 


Die herkömmliche Diskussion Welt/Umwelt (Pleßner: der Mensch lebt in einer Umwelt vor dem Horizont der Welt) krankt daran, dass beides, Welt und Umwelt, als zwei Obiectiva  genommen wurden. Aber der Umwelt-Begriff von Uexkülls zielt nicht auf den faktischen, sondern auf den Bedeutungs-Bestand der (jeweiligen) Umwelten ab (was wäre denn eine 'faktische' Umwelt vor einer 'bedeutenden'?!).

Ebenso wie die 'geschlossene' Umwelt ist die "offene" Welt ein Raum von Bedeutungen; aber eben kein geschlossener, sondern "offener" - d. h. gar keine Gegend, sondern nur ihr Horizont. Wenn das aber so ist, dann ist sie ein unbestimmter Raum - einer, dessen Grenze "zurückweicht, je näher man ihr kommt". Das heißt in der Umkehrung: die Bedeutungen 'in' diesem Raum sind nur provisorisch, hypothetisch, virtuell, latent "bestimmt" - in suspense. Damit sie gelten können, muss ich ihre Gültigkeit für mich je "aktualisieren".

Dass daher 'unsere Welt' vor 'meiner Welt' ontologischen Vorrang habe, ist eine optische Täuschung (weil jene währt, diese nicht). Nennen wir 'unsere Welt' mit Dilthey 'objektiven Geist', dann kann ich auch 'Dinge' darunter verstehen - z. B. Institutionen; die haben eine 'dingliche Seite', das ist das Objektive daran. Aber objektiver Geist sind sie nur insofern, als ich (oder ein anderes Ich) ihre Bedeutung für mich realisiere; ihre Latenz ent/decke. 'Meine Welt' ist diejenige Instanz,  die 'unsere Welt' immer erst zur Wirklichkeit bringt (dýnamis/enérgeia). 

'Unsere Welt' ist in ihrer Wirklichkeit die "Schnittmenge" all dessen, was historisch daseiende Menschen ausdem Arsenal möglicher gegebener Bedeutungen in ihre Privatwelten aufgenommen haben; und worüber sie ipso facto kommunizieren, "sich verständigen" können. Historisch ist der 'objektive Geist' eher da als die privaten Welten. Aber ontologisch ist "meine Welt" eher da. 

Der Beweis?

Es kann Privatwelten geben ohne jeglichen Anteil von 'objektivem Geist' (das würden wir Irrsinn nennen); aber es gibt ein 'objektive' Welt nicht ohne die, nicht außerhalb der Privatwelten der historischen Individuen.

16. 10. 03

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